In Offenburg wurde 1990 von der Region in
Zusammenarbeit mit der Neulandmission (BFP)
einige Wochen mit Jugendlichen missioniert.
Peter Wenz war unter anderem, neben Reinhard
Bonnke, der Evangelist. Peter Wenz gab mir ein
prophetisches Wort weiter: ich solle mir Zeit
nehmen, um Gott zu suchen. Ich tat dies, indem
ich alleine in den Wald fuhr, während die
anderen vom Team weiter in der Pionierarbeit
mitarbeiteten.
Als ich Gottes Angesicht suchte, sprach Gott zu
mir, dass ich Gemeindearbeit tun solle.
Deshalb suchte ich danach mit der neu
gegründeten Gemeinde in Offenburg den
Kontakt zur Zusammenarbeit. S. B., damaliger
Pastor in Offenburg, war sich mit dem Pastor in
BadenBaden einig, dass ich und das Team in Offenburg in der Gemeinde auf der 600,-- DM
Basis angestellt werden sollten. S. sollte Pastor und Leiter bleiben und ich mit ihm den
Predigtdienst teilen. Doch an dem Abend, da die Gemeinde für uns betete, erklärte S., dass
er nicht länger Gemeindeleiter sein wird. Nun entstand eine RushHour: wer wird seine
Position übernehmen? Ein junger Glaubensbruder, der gerade mal ein Jahr Christ war, wollte
der nächste Gemeindeleiter werden. Ich sagte strikt: Nein! Und nun kam die "Gemeindepolitik
" ins Rollen: Wir wurden als Gefahr für die Gemeinde bewertet. Zu sehr Hippie. Wenig
Bürgerlichkeit. Zum Missionieren gut, aber nicht für Gemeindebau.
Das Ende vom Lied war eine Versammlung, zu der niemand, der auf unserer Seite stand,
benachrichtigt und eingeladen wurde. Es wurde darüber abgestimmt, ob ich und mein Team
länger von der Gemeinde angestellt werden würde. Uns wurde gekündigt.
Es wurde gerade Winter und wir lebten immer noch in Herbolzheim mit Je. zusammen. Jeden
Tag rannten wir draußen auf den Wiesen herum und beteten. Wir konnten es einfach nicht
verstehen, was mit uns geschah! Tagelang waren wir wie betäubt.
Als ich so mit hängendem Kopf im Schnee über die Wiesen ging (deshalb sage ich gerne:
"Kopf hoch, denn Jesus kommt von Oben!"), da sprach Gott zu mir: "Schau mich an, wenn
ich mit dir rede!" Als ich dann meinen Blick von meinem Problem, das ich festhielt, weil ich
mich ungerecht behandelt empfand, weg auf Gott richtete, sprach er weiter zu mir: "Du hast
keinen Grund mir nicht zu danken!" Das war wie ein Echo in mir. Ich konnte mich an keinen
Grund erinnern, weshalb ich Gott danken sollte.
Offenburg war wie ein Schlag ins Gesicht. Wo war Gott, der stärker als Gemeindepolitik ist?
Als ich aber so eine Zeitlang mit dieser Rede Gottes weiter im Schnee stapfte, fing ich
zaghaft an, Gott zu danken. Je mehr ich dankte, desto mehr geistliche Atmosphäre atmete
ich in meine geistliche Lunge ein. Als es mir wieder durch Danken super ging, kam mir der
Gedanke, ich solle in Andernach anrufen, wo A. K. Gemeindeleiter war. Denn A.K. fragte uns,
ob wir nicht fest nach Andernach kommen wollten. Wir hatten schon zwei Sommereinsätze in
Andernach durchgeführt. Aber Andernach war kein "verheißenes Land", wo Milch und Honig
floss. Die Gemeinde in Andernach war eine sehr alte und traditionelle Gemeinde, wo
Kopftuch, Harmonium und Siegesklänge Maßstäbe der Frömmigkeit setzten.
Als ich dann von meinem Gebetsmarsch zurück kam, klingelte das Telefon. A.K. war am
Telefon! Er erkundigte sich nach unserem Wohlergehen und als ich ihm sagte, dass
Offenburg uns raus geschmissen habe, da sagte er: "Super, dann kommt doch nach
Andernach!".
Nun fuhr ich öfters nach Andernach, um mit der Gemeindeleitung über Konditionen zu
sprechen. Wichtig war mir nun, dass ich der Gemeindeleiter und Pastor in einer Person sei.
Ich wollte nicht noch mal erleben, dass der Leiter wie in Offenburg einen Rückzug macht und
ich dadurch in der Luft hinge! Die Gemeinde nahm meine Kondition an; auch dass ich nicht
über Rocklänge und Siegesklänge diskutieren werde, wurde angenommen. Laut Protokoll
gab es Stimmen dafür, dagegen und einige enthielten sich.
1991 wurde ich mit dem Team der “Mobilen Christen” am 21. April in Andernach eingesegnet
und am 13. November 1993 zum Pastor ordiniert.
Wir wurden sehr herzlich aufgenommen; doch einige der festen Heiligkeiten wollte uns nicht
so, wie wir waren. Sie glaubten, dass Gott uns gesandt habe, aber nicht als Pastor, sondern
als Missionierende auf der Strasse. Dazu hätten wir eine Gabe von Gott. War ja auch
verständlich, denn ich wollte die Werte, die sie bis jetzt hatten, nicht übernehmen. Eine
Schwester brachte es auf den Punkt. Sie stand während einer der ersten
Gemeindeversammlungen auf und rief in die Versammlung: "Erst nimmst Du uns das
Liederbuch und dann die Bibel!"
Trotz der harten Konfrontation tat Gott gnädigerweise Menschen zur Gemeinde hinzu. Die
Gemeinde wuchs. Wir mussten den kleinen Saal, wo sich etwa 50 Menschen versammeln
konnten, verlassen, da er zu klein wurde. Wir bekamen in einer Schule von der Stadt einen
Raum zur Verfügung gestellt. Einziger Kostenpunkt war die Versicherung für die Schlüssel.
Mehr nicht. Preis sei Gott.
Trotzdem entstand eine um sich greifende Unzufriedenheit, die dann in einer
Gemeindespaltung anfang 1997 endete. Es gingen etwa 25 Geschwister im Block aus der
Gemeinde, die gerade mal etwas mehr als 70 Mitglieder hatte! Nun waren wir wieder auf
etwa 30 Mitglieder geschrumpft!
Um das Ausmaß zu erfassen, bedenke man, dass ich mit dem Team ja schon 8 Leute
ausmachte!
In der Zwischenzeit war unser neues Gemeindezentrum fertiggestellt. Und zur Ehre Gottes
muss man erwähnen, dass durch den Crash die finanzielle Lage stabil blieb!
Diese Katastrophe verglich ich hinterher mit Massada. Massada ist ein Felsmassiv am Toten
Meer in Israel, auf dem sich Juden gegen die Römer verschanzten. Als Massada dann doch
fiel, da war die Zerstreuung der Juden in die ganze Welt fest beschlossen und
unwiederbringlich. Darin gab es natürlich keine Ähnlichkeit mit der Gemeindesituation. Aber
die Ähnlichkeit liegt in dem Entschluß: "Nie wieder Massada!".
Nach dieser Gemeindespaltung war es recht mühsam.
Im Mai, 2008, wurde mein Dienstverhältnis aufgelöst. Wer näheres wissen will, kann mich ja anmailen...