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Was kam nach dem 21.04.1972?
Möge doch jeder erkennen, wie freundlich Gott ist! Wenn er uns formen darf, dann wird
aus unserem Leben, das sich manchmal wirklich kaum von dem eines Tieres unterscheidet,
ein Gebilde von göttlicher Schönheit werden. In diesem Sinne bitte ich meine Geschichte
zu lesen, die Gott, der Töpfer, "schrieb"
(Vorbemerkung: alle Namen wurden - wegen
Datenschutz - mit Kürzel angegeben; ich bitte um Verständnis.)
Am 21.04.1972 hatte ich mich mit Sa. für Jesus entschieden. Heute noch bin ich Gott dankbar
dafür, dass ich dies erleben durfte, also nicht bloß IHM gehöre, sondern erlebt habe und auch
heute noch immer wieder erleben darf, dass ich Jesus gehöre und ihm nachfolge.
Schon kurze Zeit nach dem wir uns entschlossen hatten, Jesus zu folgen, wie es seine
ersten Jünger taten, die alles verliesen, beschlossen Sa., D., S. und ich unser Leben ganz
in den Dienst für Jesus zu stellen. So hatte ich ja auch damals Gottes Bestätigung
im Wald bei Freiburg verstanden, dass er auch
heute noch Menschen in seine Arbeit beruft. Seit der Berufung der Jünger am See Genezareth,
vor etwa 2000 Jahren, hatte sich an diesem Prinzip von Jesus, dass er Menschen zu sich ruft
und sie dann aussendet, nichts geändert.
Das erste Jahr
Frühjahr '73
Sommer '73
Unsere erste Reise nach Israel ('74)
Sommer '74
Bei M. '74 - '76
Das Ende - in Griechenland
Ende '76
Ein neuer Anfang
Fränking: 1.Nov. '77
Toremolinos
Im Rabenweg
Portugal
Ende ‘80 treffen in Villa Real
Rhemazeit
Wir kauften uns einen VW-Bus für 800 DM, malten
christliche Symbole und Slogans darauf und verkündeten ein Jahr lang überall, wo wir hinkamen,
das Evangelium. Dann gab der Motor seinen Geist auf.
Das erste Jahr mit Jesus war sehr abwechslungsreich.
Durch Jakobus, sein bürgerlicher Name war Ernst Ludwig Brauer aus Lüneburg mit jüdischem
Blut in seinen Adern, kamen wir mit vielen christlichen Gruppen in Lüneburg zusammen. So lernten
wir Baptisten kennen, Lutheraner, Reformierte, Pfingstler etc. Auch bekamen wir durch diese
Kontakte für einen Abend in der Woche die Michaeliskirche für einen Gottesdienst, den wir
gestalten durften, wie wir wollten. Dazu muss man wissen, dass man als "Jesus-People"
besonders behandelt wurde. Ich glaube, wir nahmen dieses Angebot der Michaeliskirche nur für
einen Abend an.
Der Mann, der die Evangelisation in der Schützenhalle in Lüneburg durchführte, W. K., hatte sich
unser etwas angenommen und uns mit biblischer Lehrer genährt. So erzählte er uns über die
Entrückung, die Wiederkunft Jesu etc. Eines Tages wies er uns darauf hin, dass wir uns von
Satan lossagen müssten, weil wir Yoga betrieben hatten. Also beteten wir und sagten dem Teufel,
dass wir uns von ihm trennen, baten Gott um Vergebung und gingen so in die Nacht. In dieser
Nacht erlebte ich eine tiefe Verlorenheit. Ich meinte, ich stürze ab und käme nie wieder in ein
normales Leben. Ich lag wie versteinert neben Sa.. Gott sei Dank merkte sie etwas von meiner
Situation und sagte: "Jesus liebt dich!". Durch diese kleine Aussage wurde ich
herausgerissen aus diesem dunklen Loch. Für mich war dieses Nachterlebnis sehr schrecklich, so
dass ich Angst hatte, am nächsten Abend wieder ins Bett zu gehen. Als ich einer evangelikalen
Schwester davon berichtete, sagte sie mir, dass das falsch gewesen wäre, dass ich mich von Satan
losgesagt hätte, da ich nichts mehr mit Satan zu tun hätte. Ich wollte ihr das gerne glauben und
entschloss mich, W. K. "Hausverbot" zu erteilen. Heute weiß ich, dass es
absolut richtig war, dass ich mich von Satan lossagte. Denn Jesus reißt uns aus dem bösen
Zeitlauf, weil er uns vergeben hatte (siehe Gal.1,4). Weil wir uns für Jesus entschieden haben,
wird er uns von jeder Bindung an Satan trennen.
Ich meine, ich war auch froh, dass wir W. K. "los hatten". Denn es gab verschiedene
Situationen, in denen er schlecht abschnitt; so war er einmal bei uns in der Wohnung in der
Heiligen-Geist-Strasse, als der Pastor der Pfingstkirche uns besuchen wollte. Als dieser K. sah,
drehte er sich auf dem Absatz um und sagte: "Wenn Sie hier sind, dann brauche ich ja nicht
auch da zu sein." Er knallte die Tür zu und war verschwunden. Etwas muss wohl mit K. in
Lüneburg nicht stimmen. Wir wollten eigentlich mit ihm zusammenarbeiten und -wohnen. Er hatte
ein Ferienhaus, wo er Freizeiten durchführte. Als er wieder mal so eine Freizeit durchführte,
waren wir auch eingeladen. Wir mussten nur einen kleinen Prozentsatz bezahlen. Aber die Freunde,
die Vis-á-vi von uns wohnten, zahlten für uns den vollen Preis und K. sagte uns nichts davon; er
nahm das Geld still und ohne etwas unseren Freunden zu erklären. Durch dieses Erlebnis waren wir
etwas verunsichert, ob wir wirklich mit ihm zusammenarbeiten und -wohnen sollten. Also sagten
wir ihm, dass wir gerne mit ihm arbeiten und wohnen würden, wir würden aber zuerst unser Geld
den Armen geben und dann kommen. Wir dachten dabei an Jesus, der den reichen Jüngling auf diese
Weise zur Nachfolge rief. Als darauf K. sagte, er finde das nicht gut, weil wir erst das Geld
verschenken und dann wieder dafür beten müssten, war uns klar, dass wir nicht zu ihm in seine
Pension ziehen sollten. Später haben wir uns bei ihm entschuldigt, weil wir irgendwie um den
"heißen Brei" herumgesegelt sind und ihm nicht klar sagten, warum wir nicht mit
arbeiten wollten. Er hatte Pläne, ein Zentrum zu eröffnen, wo dann junge Leute Jesus finden
sollten. Diese Pläne sind gut, aber irgendwie war er mit Geld nicht so ein unschuldiges Lämmlein.
Da wir aber wegen ihm (eigentlich für Jesus) unsere Arbeit aufgaben, waren wir nun frei, neu
anzufangen. Als wir uns dazu entschlossen hatten, unsere Arbeit zu kündigen, hatte Sa. noch
etwas Bedenken wegen der finanziellen Zukunft. D. und ich waren sicher, dass es gut wäre, Jesus
ganz nachzufolgen. An diesem Morgen, als wir so über unsere Zukunft mit Jesus nachdachten, kam
ein Mann, der uns eine Kiste Lebensmittel brachte. Er war ein Angestellter eines Geschäftes und
erklärte, dass er dies nur abliefern müsse. Wir waren ungläubig und sagten ihm, dass er wohl
diese Kiste unserer Nachbarin bringen müsse. "Nein, hier ist die Anschrift", sagte
er - und es war unsere!
Wir verstanden dies als Reden Gottes, dass Jesus uns unterstützen würde, wenn wir für ihn
leben würden. Er zeigte seine Absicht noch in vielen Kleinigkeiten. So wollten wir uns auf dem
Markt Erdbeeren kaufen, empfanden sie aber etwas sehr teuer. Zu Hause angekommen, stand eine
Schüssel mit frischen Erdbeeren vor der Tür. Das erlebten wir auch mit verschiedenen anderen
Lebensmittel.
Lüneburg war wirklich eine wichtige Etappe in meinem Leben. Zuerst dass wir Jesus persönlich
kennenlernten. Dann aber auch, weil Jesus zu mir in Lüneburg zum ersten Mal für mich hörbar
sprach. Ich hatte bis dahin nur geglaubt, dass Jesus mir ein gutes Gefühl geben und mich bewahren
kann. Natürlich auch versorgen. Ich glaube, man lernt Jesus im Laufe der Zeit immer mehr und
aus verschiedenen Perspektiven kennen. Als Versorger, als Bewahrer, als Tröster usw.
Nun wollte ich aber wissen, ob er auch zu mir echt reden könne. Ich habe zwar vorher schon mal
von Gott eine Antwort erhalten
(damals im Wald bei Freiburg, da sprach Gott zu mir in Zeichen).
Nun wollte ich aber mehr: Gott soll zu mir reden, deutlich. Ich ging auf den kleinen Berg in
Lüneburg, dem Kreideberg. Ich setzte mich bequem auf einen Felsen, der oben auf dem Hügel,
außerhalb der Absperrung, lag.
Ich las kurz eine kleine Geschichte über Jesus aus der Bibel und dann klappte ich meine Bibel zu
und sagte zu Gott: "Nun kannst Du zu mir reden." Ich wartete. Es kam ein Gedanke in
mein Kopf, den ich nicht 'angedacht' hatte. Es war ein Auftrag, dass ich einen Bruder von der
Baptisten Gemeinde fragen solle, dass er uns am Abend zu der Evangelisation in Winsen mitnehmen
soll. Dieser Gedanke war nicht so aufregend, aber er hatte eigentlich keine Wurzeln in mir.
Er kam einfach so und stand fertig in meinem Kopf. War das Gott? Redet Gott auf diese Weise? Ich
war noch in vollem Gange dabei, meine Enttäuschung mit Argumenten zu tarnen. Denn ich hatte
eigentlich ein klareres Reden von Gott erwartet. Da kam eine Stimme zu meinem Ohr. Sie kam aus
meinem Brustkorb. Die Stimme war hell und sehr angenehm. Es war nur ein einziges Wort:
"Glaube!". Also war es doch Gott, der mir den Gedanken gab. Ich sprang freudig
auf, rannte nach Hause und wollte schnell den Bruder fragen, wie Gott es von mir wollte.
Zuhause angekommen, traf ich die Tochter des Baptistenbruders. Sie berichtete uns von der
Evangelisation und dass ihr Vater leider keinen Platz hätte, uns mit zu nehmen. Ach so! Ich war
froh, dass ich niemandem von meinem Erlebnis auf dem Kreidefelsen erzählte. Ich hätte mich sonst
blamiert. Ich fragte ihren Vater nicht wegen einer Mitfahrgelegenheit. Irgendwie war ich von
Gott enttäuscht.
Am Abend hupte unten auf der Straße vor dem Haus ein Auto und wer saß hinterm Lenkrad?
Der besagte Bruder aus der Baptistengemeinde. Er saß alleine im Wagen und fragte, ob wir mit
ihm kommen wollten. Na siehste! dachte ich. Dann hat also doch Gott zu mir geredet (oft geht es
uns wie dem, der alle Blumenblätter abreißt, um herauszufinden, ob er geliebt wird; wir schwanken
zwischen 'Gott hat geredet' und ' es war nur Einbildung', bis wir im Glauben es fassen oder
ablegen).
Heute weiß ich, dass es sehr wichtig für mich war, dass Gott so zu mir sprach. Denn ohne
Glauben erkennt man Gottes Stimme nicht - egal wieviel und wie deutlich er redet. Nur dass Gott
mir den Auftrag gab, den er auch ohne mich erfüllen konnte - denn der Bruder kam, auch ohne,
dass ich ihn anfragte! - ist typisch: Gott will uns in den Auftrag einbinden! Das heißt
aber nicht, dass er ohne uns nichts tun kann. Nur wenn wir uns in Seinem Namen bewegen, lassen
wir uns besser lenken! Wer sich nicht in Gottes Willen bewegt, der wird von Gottes Handeln
angestoßen, und das ist manchmal dann aber 'anklagend' (subjektiv).
An einem frühen Morgen, als ich wieder mal aus dem Bett kam, um "Stille Zeit"
( = eine Zeit mit Gott verbringen) zu machen (was wirklich nicht immer einfach war!), ging ich
in den Park (es war etwa 5 Uhr morgens). Dort traf ich einen jungen Mann, der wohl gerade von
seinem Trip runter kam. Ich erzählte ihm von Jesus und betete mit ihm, nahm ihn mit nach Hause
und lies ihn bei uns ausschlafen. Danach ging ich wieder in den Park, weil ich noch nicht zur
"Stillen Zeit" kam. Auf dem Weg dorthin kam ich an einer Autowerkstatt vorbei, wo ein
VW-Bus zum Verkauf ausgestellt war. Ein wirklich altes Modell! Aber dafür billig. Später gingen
wir zu der Werkstatt und fragten, ob das Auto noch liefe. Wir baten Gott um ein Zeichen: wenn
das Auto ohne große Probleme anspringen würde, dann wollten wir es kaufen. Die Mechaniker
mussten zuerst die Batterie laden und verschiedenes investieren. Aber dann sprang es an. Wir
kauften den Bus, meldeten ihn an - und kümmerten uns erstmal nicht mehr um die Bürokratie.
Erst ein halbes Jahr später gingen wir zur Versicherung und erkundigten uns, wie es mit der
Versicherung stünde. Dazu muss ich erklären, dass wir von Lüneburg wegzogen, also die Adresse
änderten, bei der wir den Bus anmeldeten und nun in Freiburg waren. Ach, wir waren sehr naiv.
Wie freuten wir uns, als wir Lüneburg mit dem Bus verlassen konnten. Wir hatten es schon
vorher per Anhalter versucht. Wir trampten damals in Richtung Hamburg auf die Autobahnraststätte
und wollten dann von der Raststätte aus in Richtung Süden fahren. Wir standen den ganzen Tag auf
diesem Rastplatz. Als es schon abend wurde, wollten wir es wissen: will Gott dass wir in Lüneburg
blieben? Wir stellten uns auf der anderen Strassenseite auf, die von der Raststätte wegführte.
Kaum standen wir, kam ein Mercedesfahrer und nahm uns mit - bis vor unsere Haustür in der
Heiligen-Geist-Strasse! Vor der Haustür warteten viele junge Leute, die uns besuchen wollten.
Ja, wir durften nicht wegfahren.
Ein andermal trampten wir weg, weil wir durch Bibellesen erkannten, dass wir uns taufen
lassen müssten. Schon bei der 'Bekehrung' am 21. April, sagte Sa., dass wir uns nun taufen
lassen können. Ich schüttelte damals nur den Kopf, denn dass wir uns für Jesus entschieden
hatten, war doch genug! Warum noch sich Taufen lassen!
Doch nun wollten wir uns taufen lassen.
Wir trampten nach Frankfurt/Waldorf, weil dort die amerikanischen Jesus-People wohnten, die
uns zu Jesus führten. Sie wohnten in einer Wohngemeinschaft mit anderen Amerikanern zusammen,
die ebenfalls hier in Deutschland die Botschaft von Jesus weitertragen wollten. M. B., der
Leiter dieser Gruppe, ein Baptistenpastor, der uns auch damals zu Jesus führte, taufte uns in
einem Baggersee nach Jesus-People Manier: mit Jeans. Ich weiß noch, dass S. nicht ganz so
begeistert war; er hätte diese Zeremonie nicht mitmachen müssen.
Doch nun war die Zeit in Lüneburg ganz vorüber. Wir fuhren mit dem VW-Bus Richtung Freiburg,
da in der Nähe unsere Eltern wohnten. War das schön. Mit dem eigenen Auto nach Freiburg - weg
von Lüneburg.
Unterwegs suchten wir noch Heidelbeeren, als wir eine Rast einlegten.
Bei Sa.'s und D.'s Eltern hatten wir die Gelegenheit, den Bus anzupinseln. Mit roter
Farbe sah er sehr auffällig aus; und mit weißer Farbe schrieben wir in grossen Buchstaben
"Komm in Ordnung mit Gott"
und andere Slogens.
Nun waren wir für unsere erste Missionsreise gerüstet. Wohin soll es gehen?
D. und S. waren im vorigen Sommer, als Sa. und ich nach Indien unterwegs waren, in Amsterdam,
im Vondelpark. Da trafen sie viele junge Leute. Das wäre die super Gelegenheit, von Jesus weiter
zu erzählen. Also fuhren wir kurz entschlossen nach Amsterdam.
Wir erlebten unser erstes Heilungswunder: Sa. hatte entdeckt, dass sie einen Wurm im Stuhlgang
hatte. Also beteten wir und nie wieder lies sich ein Wurm blicken. So gingen wir wie 'richtige
Missionare' an 'unsere Arbeit'. Ich hatte meine dickste Bibel unterm Arm, aus der die bunten
Bändel hingen.
Im Vondelpark trafen wir ebenfalls 'Missionare'. Sie nannten sich "Kinder Gottes".
Wie war ich doch beeindruckt. Kinder Gottes! Sie luden uns zu sich in ihr Haus ein. Etwa 100
junge Menschen lebten da. Das Haus war nicht sehr groß! Viele übernachteten wohl im Park. Aber
zu den Essenszeiten gab es schon ein kleines Gedränge von der Treppe runter in die Küche. Enorm.
Ich war begeistert. D. war am meisten begeistert. Sie blieb bei den 'Kinder Gottes'. Später
erklärte sie, dass sie auch deshalb blieb, damit sie ihren Freund los bekam; S. schien nicht so
100-%ig Jesus nachfolgen zu wollen.
Bevor wir von Amsterdam wegfuhren und D. zurück ließen, beteten wir noch zusammen. Dabei fragte
ich Gott, was wohl zwischen ihm und mir noch trennend stände. Denn D.'s Entschluss imponierte
mir sehr. Und nun wollte ich wissen, was zwischen mir und Gott stände, denn ich wollte so
entschieden sein wie D.. Da wurde die dicke Bibel noch schwerer, als sie schon war. Ich verstand
dabei Gottes Reden so: diese Bibel, mit den vielen Erklärungen, muss weg, da Gott mich aus der
Schrift mit der Schrift belehren wollte und ich nicht durch die vielen theologischen Angaben
nur 'menschliches Wissen' erhielte.
Nun waren wir nur noch zu dritt! 10 kleine Negerlein ..., da waren's nur noch 3. Wir fuhren
zurück nach Freiburg.
Das erste schöne Erlebnis war dies, dass wir auf eine Hochzeit bei der Pfingstgemeinde eingeladen
wurden. Jemand hatte auf die Windschutzscheibe eine Einladung zur Pfingstgemeinde angeheftet.
Und wir kamen gerade recht zur Hochzeit der Tochter eines Radiomissionares, I. W.. Die Einladung
erhielten wir sicher auch deshalb, weil der Pastor, G. H., die Jesus-People-Bewegung voll aufnahm.
Und wir waren nun mal auch nach Außen hin als "echte" Jesus-People zu erkennen: der
rote, mit weiser Farbe beschriftete Bus, die langen Haare etc.
Und dann kam der Tag, an dem wir nur noch zu zweit waren. Wir lernten nämlich die "
Ortsgemeinde" um John So kennen, die uns anfangs sehr beeindruckte. Nur konnte und wollte
ich es nie so recht glauben, dass alle Christen vor dem Thron Gottes gefragt werden würden, mit
wem sie aufgebaut worden seien. Nur in der "Ortsgemeinde" wurde man angeblich recht
aufgebaut, da sie nicht in die Spaltung investierten, sondern in den wahren Leib Christi, eben
der Ortsgemeinde.
Wir hatten nun öfters Diskussionen mit S.. Und an dem Morgen, als unser letztes Geld aufgebraucht
war, war auch S. weg. Er ging zur Ortsgemeinde.
Vielleicht würde er heute bekennen können, dass er eigentlich deshalb ging, weil nun sein
Geldbeutel herhalten musste. Bis jetzt lebten wir von Sa.'s und meinem Ersparten. Auch arbeitete
S. nicht, wie wir alle anderen, in Lüneburg. Vielleicht lebte er da schon von unserem Geld, was
wir verdienten. Sein Konto blieb unangetastet und fett. Und nun sollte S. von seinem
finanziellen Polster investieren. Aber so kam es eben.
An dem Morgen, als Sa. und ich alleine im VW-Bus aufwachten, drehte ich mich zu Sa. und
sagte: "Sa., ich habe Hunger." Sa. sagte entschlossen: "Bet' lieber, du
Fresser!", denn wir hatten wirklich nichts zum Essen und auch kein Geld, um etwas
einzukaufen. Ich drehte mich um zur Autowand und fing an zu beten. Ein Brett war von der
Motorerhöhung hinten nach vorne auf eine Kiste gelegt und bildete mein Bett; Sa. hatte auf dem
Fußboden Platz. Mir war es nicht zum Beten zu Mute. Ich kletterte aus meinem Schlafsack, stieg
über Sa.s Nachtlager und zog mich an. Ich ging raus in den Stadtgarten, bei dem wir geparkt
hatten. Dabei kam mir die Idee, eine ältere Frau zu besuchen, deren Adresse wir vor zwei Tagen,
am Samstag, bei der Mission bekamen. Wir waren jeden Tag im Park und in der Stadt am missionieren.
Die älter Frau, P. St., öffnete die Tür und ihre erste Frage war: "Hast Du schon gegessen?
" Es gab Apfelmus und Pfannkuchen. Mmh! Ich erzählte ihr, dass wir mit unserem VW-Bus am
Stadtgarten standen und dort "wohnten". Ich erzählte ihr von dem, was wir taten.
Beim Abschied ging sie ins Schlafzimmer, holte ihren Geldbeutel und gab mir 20,-- DM. Das waren
unsere ersten Finanzen, die uns Gott anvertraute! Halleluja.
Siegesfroh ging ich zurück zu Sa., die immer noch eingewickelt auf dem Boden lag. Nun konnten
wir uns etwas zum Essen einkaufen.
Von da an versorgte uns Gott. Einmal hatten wir nur noch 10,-- DM. Ich wollte für 5,-- DM
tanken und den Rest zum Essen sparen. Doch da ärgerte ich mich "heilig" über meinen
Geiz und ich vertankte alles. Wir waren auf dem Weg in die Gemeinde von Bruder P., einer
Maranatha-Gemeinde. Er sprach über Abraham und Lot. Lot lebte lieber da, wo das Leben leicht
war, während Abraham sich an Gott und seine Verheißung ausrichtete.
Nach dem Gottesdienst kam der Prediger auf uns zu und fragte, wer wir seien. Wir sagten ihm,
dass wir im VW-Bus lebten und missionierten. Er war sehr von uns angetan. Gott habe ihm schon
oft gesagt, er solle missionieren. Später traf ich ihn auf dem Münsterplatz mit seinen Getreuen,
sie sangen (zB. "es eilt die Zeit...") und er predigte. Beim Abschied drückte er uns
einen Geldschein in die Hand, den ich gleich in die Jackentasche steckte. Als wir dann im Bus
wieder waren, holte ich den Schein heraus und war fast gelähmt: 100,-- DM! Als wir dann müde in
unseren Schlafsäcken lagen und über uns die Eiszapfen wuchsen, da dachte ich, dass man mit Geld
nur dann etwas anfangen kann, wenn die Geschäfte geöffnet hatten, nicht wenn man in Not ist.
Denn mit den 100,-- DM konnte man nun nichts anfangen.
Ein Andermal sprach ich mit einem jungen Mann auf dem Münsterplatz über meinen Glauben. Er
konterte verächtlich, indem er mich darauf hinwies, dass er einen Freund in Amsterdam habe,
der nun auch an Jesus glaube, aber ins Krankenhaus eingeliefert wurde, weil ihn Gott nicht
versorgte. Und dabei bot er mir eine süße Waffel an. Ich lehnte ab, weil ich es einfach nicht
vermochte, von ihm zu leben, der sich so über meinen Glauben lustig machte.
Ich hatte aber Hunger! Aber ich wollte lieber sterben, als von ihm ein Almosen empfangen.
Wie gut ist doch Gott: J. aus Lüneburg hatte mit dem Marburger-Kreis, das ist ein Bibelkreis,
der von Artur Richter gegründet wurde, in Freiburg Kontakt aufgenommen, dass sie sich etwas um
uns kümmern sollten. Nun war der Zeitpunkt gekommen, wo wir von dem Leiter des Marbuger-Kreises
in Freiburg eingeladen wurden. Er wohnte in Freiburg/Landwasser. Man bedenke: ich hatte den
ganzen Tag nichts gegessen und die Almosen dessen, der mir die süßen Waffeln anbot, hatte ich
abgelehnt! Wir kommen zu dem Leiter und finden einen riesen Tisch vor, gedeckt mit viel Essen.
Wir wurden wie Könige bewirtet.
Die Versicherung für den Bus hatten wir bis jetzt noch nicht bezahlt und wussten auch nicht,
wie es praktisch gehen kann, da wir nicht mehr in Lüneburg wohnten, wo wir den Bus angemeldet
hatten. Also "stellten" wir uns der Versicherung in Freiburg. Sie waren sehr
verwundert, dass wir bis jetzt noch nicht bezahlt hatten. Die Versicherung sollte 600,-- DM
kosten. Wir hatten aber in der Regel nur so etwa 10 bis 50 DM. Doch Gott lies uns nicht im
Stich: Sa.'s Mutter hatte bei einer Verlosung teil genommen und genau 600,-- DM gewonnen.
Sie gab uns das Geld und die Versicherung war bezahlt.
Es gab auch sehr starke Engpässe bei der Versorgung. So hatten wir an einem Samstag kein Geld,
um für den Sonntag einzukaufen. Wir machten uns aber ganz bewusst keine Sorgen, sondern
glaubten, dass Gott Wege habe, uns zu versorgen. Denn was Jesus im Matthäusevangelium über die
Sorgen lehrte war unsere Losung (Kapitel 6, Vers 33). Kurz bevor die Geschäfte schließen, ging
ich nochmals in den Stadtgarten; und wen traf ich? Meine Oma, die ebenfalls in Freiburg/Herdern
wohnte. Sie sah mich und war etwas geschockt. Denn ich war wirklich nicht das brave Kind: barfuß
lief ich rum, hatte lange Haare und hatte auch nicht die gebügelte Wäsche an. Sie, die Frau des
Schulrektors a.D., blieb etwas befremdet vor mir stehen, sagte aber wie aus heiterem Himmel,
dass sie mir ja jetzt schon das Weihnachtsgeschenk geben könne (im September!). Sie kramte ihren
Geldbeutel heraus, bemerkte, dass sie leider keinen 10-DM-Schein habe, und gab mir deshalb einen
20-DM-Schein. Schnell versuchte ich sie los zu werden, damit wir noch vor Ladenschluss einkaufen
konnten.
Wir lernten auch verschiedene Geschwister kennen, die uns gerne besuchten. Selbst mit dem
Kloster auf der anderen Straßenseite, wo wir unsere Wohnung geparkt hatten, hatten wir einen
guten Kontakt: am Nikolaustag hängten uns die Mönche ein Säckchen mit Süßigkeiten an unseren
Autospiegel.
In unserem VW-Bus mussten wir uns nun wirklich gegen die Kälte schützen. Wir trennten das
Führerhaus von unserem Wohnbereich durch Pappe und 'heizten' mit Kerzen etwas.
In einer Nacht, als wir schon fast eingeschlafen waren, hörten wir vorn im Führerhaus Geräusche.
In Unterhose stieg ich aus dem Wagen und sah vorne durch die Scheibe, wie jemand unseren
Scheibenwischermotor am Ausbauen war. Wir hatten ihn doch selbst erst vor wenigen Tagen bei einem
alten VW-Bus ausbauen dürfen. Ich klopfte an die Scheibe und vertrieb den Eindringling und
rannte ihm noch ein paar Meter in Unterhose nach.
Über Weihnachten wollte D. nach Hause kommen. Wir freuten uns, denn wir hatten mittlerweile
oft gehört, dass die "Kinder Gottes" eine gefährliche Sekte sei. Wir trampten sogar
einmal nach Amsterdam, um sie heraus zu holen. Die Tramptour gestaltete sich sehr schwierig, da
es schon kalt wurde. Doch Gott half uns durch. Einmal ärgerte ich mich so sehr darüber, dass
niemand anhalten wollte. Nachdem ich alle Gebetsformen, die ich kennen lernte, anwandte,
wie loben, bitten, bekennen, etc. gebot ich dem nächsten Auto, dass es anhalten müsse. Und es
hielt an - fuhr aber leider nicht in unsere Richtung. Also lies ich Gott wieder entscheiden,
welches Auto er für uns anhalten wollte. Irgendwann hielt ein Sportwagen, in dem es sehr mollig
warm war. Ich bekam fast Tränen, weil ich sah, dass uns Gott nicht im Stich gelassen hatte.
Die Mission zur Rettung von D. schlug leider fehl.
So freuten wir uns, dass sie über die Weihnachtstage kommen wollte.
Sie kam und erzählte uns über die Vorzüge von Mose David, dem Gründer der Gruppe. Sie konnte
das so gut darstellen, dass wir uns bereit erklärten, mit ihr zu kommen. Wir schlugen unsere
Zelte in Freiburg ab und gingen mit ihr nach Heidelberg in die dortige "Kolonie". Es
war schon beeindruckend, wie sie missionierten. Jeden Tag gingen wir nachmittags und abends nach
Heidelberg und sprachen mit jungen Leuten über Jesus. Das war schön. Doch dann wurden Sa. und
ich getrennt; ich kam in die Schweiz nach Huttwil und Sa. für kurz nach Essen, in die
Hauptkolonie Deutschlands. Bevor ich aber nach Huttwil geschickt wurde, wurden mir die langen
Haare geschnitten, denn Gott ist kein Hippie (wurde uns erklärt). Im Gebet erhielt ich
(von Gott) einen neuen Namen: Tobias.
Die Fahrt in die Schweiz war wie ein Viehtransport. Wir waren etwa 15 Personen und fuhren
in einem Kastenwagen hinten mit. Über die Grenze mussten wir trampen. Der, mit dem ich trampen
musste, sang und tanzte an der Strasse, während ich durch die Kälte verknittert war. Dieser
Bruder zeigte mir auch die Bibelstelle Amos 8,11-13.
In Huttwil sollte ich die Mo-Briefe (das sind die Briefe, die Mose David an alle Kolonien
regelmäßig versandte) auswendig lernen. Ich hatte schon Probleme mir Bibelverse zu merken,
und nun die Mo-Briefe, die für mich keinen Ewigkeitswert hatten!
Irgendwie war ich so bedrückt, dass ich gegen Nachmittag des ersten Tages zur Leitung ging und
ihr mitteilte, dass ich gehen werde. D. war auch in dieser Kolonie in Huttwil und wollte mich,
Gott sei Dank, nicht zurück überreden. Ich wurde zur Autobahn gebracht und man gab mir noch
etwas Geld mit. Unseren roten VW-Bus musste ich in der Gruppe lassen. Er gab auch ein paar
Wochen später den Geist auf - aber die Versicherung und die Steuern musste ich bis zum Ende
zahlen.
Ich stand nun an der einsamen Autobahnauffahrt und war in mir verurteilt: nun war ich Gott
ungehorsam geworden. Denn ich ging nicht, weil ich glaubte, dass Gott mich heraus aus der Gruppe
führte, sondern weil ich innerlich nicht mit machen konnte. Ich vermutete eher, dass ich Gott
ungehorsam war, als dass ich dahinter Gottes Hand gesehen hätte. Würde Gott mich noch segnen?
Oder werde ich tagelang hier an der Autobahn stehen und wie schweizer Käse aussehen, weil mich
niemand mit nehmen wollte? In der Schweiz war trampen immer schon sehr schwer. Doch war ich
total überrascht, als das erste Auto anhielt und mich bis an die Abzweigung Basel-Zürich mit
nahm. Von da ging es auch sehr schnell, so dass ich bald in Basel an der deutschen Grenze stand.
So schnell war ich noch nie weitergekommen. Bis Riegel/Kaiserstuhl, wo meine Mutter wohnte,
war ich auch recht schnell und sank müde ins Bett. Als ich in meinem Bett lag und die Ereignisse
des Tages Revue passieren lies, da versprach ich Gott, dass ich ihm folgen will, auch wenn ich
im Strassengraben schlafen müsste.
Am nächsten Morgen fuhr ich per Anhalter nach Heidelberg, um Sa. ab- bzw. raus zu holen. Ich
war nicht sicher, ob sie mit mir käme. Aber ich dachte an das Buch "Tobias" in den
Apokryphen, wo auch die Hauptperson, Tobias, seine Sarah heimholte. Als ich dann in der Kolonie
in Heidelberg ankam, wussten schon alle, dass ich ausgetreten war. Sa. verkündigte mir, dass
Gott am Vorabend ihr gesagt hätte, dass dies ihre Familie sei. Ich konnte nicht mehr schlucken
und auch nicht reden, da ich einen großen Klos im Hals verspürte. Müde und zerschlagen stand
ich auf und wollte gehen. Ich stand da, wie einer, dem man einige Säcke auf den Buckel auflud,
die aber bei mir nicht nur auf dem Rücken lagen, sondern auch im Halse steckten.
Da sagte Sa., sie werde noch mal beten. Nach kurzem kam sie zu mir ins Besucherzimmer und
verkündigte mir, dass sie mit mir käme, wo ich hinginge. Ich war riesig froh!
Wir mussten wieder mit der Leitung sprechen. Petrus, ein ehemaliger Jesus-People, sprach
verächtlich über die Jesus-People und rühmte die Kinder Gottes. Ich hörte kaum hin, weil ich
ihn sehr arrogant empfand. Nachdem sie uns noch eine Warnung mit auf den Weg gaben, dass man
Gott nicht davon laufen kann, gingen wir ins Freie, ja, in die Freiheit. Es war, trotz der Kälte,
ein großes Gefühl mit Sa. zur Autobahn zu gehen und nach Riegel zu trampen.
Wir hatten 2 Wochen bei den Kindern Gottes verbracht. Nun hatte ein neues Jahr begonnen. Wo
sollten wir hin, was tun? Wer würde uns lehren? Diese letzte Frage lastete sehr drückend auf
mir. Da las ich im Galaterbrief, dass Paulus das, was er verkündigte, nicht von Menschen gelehrt
bekam, sondern dies habe er durch die Offenbarung von Jesus erhalten. Jesus war das Muster
seiner Lehre. Das tröstete mich sehr. Gott wird mich lehren! Damit konnte ich leben.
Das war das erste Jahr. Soviel geschah in diesem Jahr! Ich hatte danach etwas Angst, als ich
merkte, dass nun nicht mehr soviel geschah. Da half mir das Bild von der Pflanze, die im ersten
Abschnitt ihres Lebens sehr schnell nach oben schießt, 2 Blätter bildet und dann scheint alles
stehen zu bleiben. Aber nein, die Wurzeln bilden sich aus. Dies sieht niemand, aber ist so
wichtig, damit nicht, wenn die Hitze des Tages kommt, alles verdorrt.
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Frühling '73:
Da wir wieder mit Uli zusammen kamen, den wir am Stadtgarten an unserem
VW-Bus trafen, bevor wir zu den Kinder Gottes gingen (er hatte in Waldkirch ein Appartement, in
dem sein Freund R. mit N. wohnte), lud er uns ebenfalls in diesem Appartement ein, mit zu wohnen.
Da wir von den Kindern Gottes gelehrt wurden, neben frommen Dingen, wie Bibelarbeiten zu machen
und zu missionieren, auch in Fabriken etc. zu betteln, gingen wir in Waldkirch eines Tages in
die dortige Milchzentrale. Wir waren selbst gespannt, ob Gott uns Milch und andere Milchprodukte
geben würde. Der Chef in der Milchzentrale sagte ohne Umschweif, dass er uns gerne Milch gibt.
Beladen gingen wir, wie Jäger mit Trophäe, nach Hause. In unserer Vorstellung hatte Gott uns
die Milch gegeben.
Die Zeit bei den Kindern Gottes, obwohl sie nur 2 Wochen dauerte, ging nicht
"spurlos" an uns vorüber. Wir hatten noch lange das "Gute" behalten und
das "Schlechte" verworfen. Doch eigentlich wussten wir kaum, was gut und schlecht bei
den Kindern Gottes war. Das Problem bei solchen Themen liegt ja nicht im "irdischen"
Bereich, sondern es ist der Geist, der darin steckt. Denn es konnte alles "gut" und
richtig laufen, aber der Geist in der Gruppe war ein Geist der Rebellion - und treibt zur
Rebellion! Und damit wird jede noch so kostbare Bibelstelle verfärbt. Dieser Geist macht auch
leichtsinnig, wenn es darum geht, alte Grenzen zu verschieben. Und das taten die Kinder Gottes
sehr unkompliziert: Sex, Drogen, ja Kontakt mit Geistern zu pflegen, gehörten irgendwann zum
"guten Ton", man folgte Jesus eben 100% nach, man gab alles, auch seine Seele der
Sache.
Die Zeit nach den Kindern Gottes kam einem Neuanfang gleich. Wir hatten mit R. und N. und ihrer
Schwester M. gute Gemeinschaft und wir bildeten ein Missionsteam. N. hatte den Namen deshalb,
weil sie einen sehr schweren Sprachfehler hatte und keinen Satz sagen konnte, ohne nicht enorm
zu Stottern. Sie bekam den Rat, sie solle doch einfach singen. Und das klappte sehr gut.
Aber dieses neue Missionsteam war von den Kindern Gottes geprägt - nicht so sehr in der
Lehrausrichtung. Wir achteten darauf, nicht mit den Kindern Gottes verglichen zu werden.
Die Prägung lag vielmehr in der Rebellion, in dem elitären Verhalten. Und wer elitär ist, der
nimmt auch gerne Schwierigkeiten auf sich, wie zB. Verachtung, Mangel etc.
Am 1. Mai hatten wir eine Taufe. Mit Uli's rosarotem Kleinwagen fuhren wir an einen Baggersee
bei Teningen und tauften M., R. und N.. Etliche konnten wir im Laufe dieser ersten Zeit taufen.
Die interessanteste Taufe war wohl diese: wir fuhren mit einem VW-Käfer, der wirklich bis auf
den letzten Platz belegt (überbelegt) war, zum Baggersee in Freiburg-Nord. Es regnete wie aus
Eimern. Die Scheibenwischer konnten gegen die Wassermengen nicht ankommen. Aber wir wollten doch
taufen und glaubten, dass es bei der Taufe nicht regnen würde. Wir fuhren nur etwa 5 KM. Und als
wir am Baggersee ankamen, da schien die Sonne. Wir konnten taufen. Nach der Taufe gab ich den
Täuflingen einen Bibelvers. Ich öffnete mein kleines NT und blieb bei einem interessanten Vers
hängen: "Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel, die sprach...." Ja, das wird sicher
ein guter Vers für den einen Täufling sein - dachte ich, weil er mit "... eine Stimme aus
dem Himmel ..." begann. Also gab ich ihm diesen Vers. Der Text war aus der Apostelgeschichte,
wo Petrus eine Vision hatte und eine Stimme aus dem Himmel zu ihm sprach. Als ich den Vers ihm
gab, da war ich doch ein wenig enttäuscht, da es im Text nur ums Essen ging. Ich erwartete
eigentlich eine imposante Aussage, die Mut machen könnte. Doch der Täufling sagte: "Super!
Ich war Vegetarier und nun soll ich, weil es Gott gereinigt hat, Fleisch essen."
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Sommer '73
J. E., der Vater von M. und N., "band" uns Fünf, R., N., M.,
Sa. und mich, zu einem Team zusammen (er wollte uns gerne 'living Stones' nennen!). Wir lebten
zwar schon in Waldkirch in Uli's Appartement zusammen und hatten schon einige Einsätze in Diskos
und ähnlichen Jugentreffs, aber er versuchte, dass die Gruppe sich "formiert"; das
hieß für ihn, dass ich der Leiter sei. Das war dann nicht einfach, da R. es nicht so annehmen
konnte. Er war sehr schnell auf 100 zu kriegen. In der Folgezeit hatten wir deshalb viele
Probleme. Als es mal ganz schlimm wurde, da wählten wir jeden Morgen mit dem Los, wer an diesem
Tag die Leitung übernehmen solle.
Als er wiedermal auf 100 war, (ich hatte ihm in seiner Wut nicht nachgegeben, was ihn noch mehr
erregte, denn Wut will herrschen!), schmiss er mit der Milchtüte nach mir. Ich konnte ausweichen
und die Milch flog genau auf die Landkarte von Israel, die hinter mir hing. Ja, wo Milch und
Honig floss. Ein andermal wollte ich mich nicht so anbrüllen lassen, was ich auch von ihm
unverschämt fand, weil er mit seiner Wut einfach Recht beanspruchte, das er nicht hatte! So
brüllte ich dann in seinem Tonfall zurück. Leider (oder sicher gut so!) erzielte ich nicht die
Wirkung, die ich beabsichtigte. Zu guter Letzt musste ich mich bei ihm für meinen Ton
entschuldigen.
Es war wirklich nicht einfach. Aber wir hatten doch eine gesegnete Zeit mit einander.
J. E. lud uns im Sommer `73 auf einen Campingplatz in Norddeich ein, wo wir dann mit seiner
Familie einen "Missionsurlaub" machten.
J. organisierte ein Missionszelt von der Pfingstgemeinde in Norden, zu dem wir dann für die
Abende einluden. Beim Aufbau des Zeltes schlug ich mir mit dem schweren Hammer vors Schienbein.
Ich ging vor Schmerzen in die Hocke und stöhnte. Da schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass
der Teufel mich lahm legen wollte. Ich gebot dem Schmerz, dass er mich verlassen muss. Der
Schmerz verlies mich vollkommen und sogleich! Danke Jesus.
Vormittags gaben wir Schulunterricht und abends gestalteten wir das Programm im Zelt mit.
Einmal "übernahm" ich die Abendpredigt aus Protest, weil wir nur als "Laufburschen"
eingesetzt waren. Mein Stolz konnte nicht damit umgehen. Doch der eingeladene Redner hielt
trotzdem nach mir seine Predigt!
Oft beteten ganze Schulklassen zu Jesus (Gott weiß, was vor seinen Augen "rechenbar"
ist). Wir selber lagen im Endzeitfieber, was auch die Dringlichkeit unseres Anliegens mit Jesus
unterstützte und unterstrich! So war es ja auch bei den ersten Christen, die sich mit dem Gruß
"Maranatha" (= "der Herr kommt/komme bald") grüßten. Ich weiß noch, wie es
mich begeisterte, dass 1917 die sogenannte "Belfour-Erklärung" abgegeben wurde, wonach
das jüdische Volk eine Heimstätte in Israel errichten durfte. Und genau 50 Jahre später, 1967,
wurde die Stadt Jerusalem vereinigt, gemäß dem Gesetz Mose, dass im Halljahr (50. Jahr) wieder
zusammenkommen muss, was zusammen gehört.
Dort in Norddeich gab es auch eine Disko, Meta, die übers Wochenende rammelvoll war. Wir
missionierten immer bis zum Morgengrauen. Dann gingen wir fast schlafwandlerisch auf den
Campingplatz, duschten und legten uns schlafen.
J. E., der evangelischer Pastor war, nahm uns auch mit, als er eine Einladung in eine Kirche
bekam. Hier wurden wir die "Vorzeige-Jesus-People". Wir spielten unsere Rolle auch
recht gut: wir sangen vorn im Altarraum flotte Lieder und zogen einzelne Kirchenbesucher aus
ihren Bänken, dass sie mit uns tanzen sollten. Auch Omis machten mit. Ob das heute noch möglich
ist?
Der Sommer ging zu Ende und wir wollten auf die Insel Norderney. Ein Bruder, der bei der Fähre
arbeitete, besorgte uns kostenlose Schiffstickets. So sorgte Gott für uns. Auf Norderney konnten
wir in einem evangelischen Hospiz übernachten. Die erste Nacht aber übernachteten wir bei einer
Frau, die wir auf der Straße kennen lernten. Unser Motto war nämlich dies: missionieren bis Gott
uns eine Tür öffnet. Das entsprach dem Bibelwort: "trachtet zuerst nach Gottes Reich und
seiner Gerechtigkeit, und alles andere wird euch zufallen." (Matth. 6,33). Am nächsten
Morgen gingen wir in das evangelische Hospiz, um Post abzuholen, die wir uns dahin schicken
ließen, weil wir glaubten, Gott würde uns da eine Tür öffnen. Als wir bei dem Hospiz ankamen,
entschuldigte sich die eine Diakonisse, weil sie uns am Vortag abblitzen lies und bot uns einen
Teil eines Saales an, der als Rumpelkammer benutzt wurde. Diese Diakonisse brachte dann täglich
unter ihrem großen Schurz Lebensmittel aus der Küche für uns.
Hier fingen wir auch an, auf der Straße zu predigen (eigentlich nur R.). Es versammelten sich
oft etwa an die 100 Leute, die sich um uns aufstellten und zuhörten. An einem Abend wollte uns
die Polizei wegschicken, weil es Ruhestörung wäre. Aber die Zuhörer ergriffen für uns Partei, so
dass die Polizei wieder ging.
Als die Zeit in Norderney zu Ende ging, beteten wir in einem kleinen Pinienwäldchen,
damit wir von Gott hören würden, wo er uns nun als nächstes haben wolle. Jeder ging alleine an
einen Platz im Wäldchen und betete.
Ich schaute zum wolkenverhangenen Himmel empor und fragte, wo Gott uns hin schicken wolle. Da
sah ich einen Pfeil in S-Form, wie mit einem Messer aus den Wolken geschnitten. Ich nahm den
blauen Pfeil in Gedanken vom Himmel und legte ihn auf eine Landkarte, die ich in meinem Kopf
konstruierte. Da ich eine Landkarte im Sinn hatte, auf der Europa und die Mittelmeerländer waren
(nach dem Motto: "stecke deine Pflöcke weit"), zeigte der Pfeil genau auf Israel.
Super. Gott will, dass wir nach Israel fahren! Das war mir klar. Es kostete auch keine großen
Überredungskünste, um die anderen dafür zu gewinnen. Da wir ja bei unserer Bekehrung unseren
Plan, nach Israel zu fahren (um Jesus etwas besser kennen zu lernen und zu verstehen), aufgaben,
empfand ich es als ein Geschenk von Gott, dass er nun sagt: "Geht nach Israel!" An Geld
dachte niemand; denn wir glaubten, dass Gott uns versorgen wird!
Doch da der Pfeil nicht geradewegs auf Israel zeigte, entnahm ich, dass wir noch etwas zu
erledigen hätten. Und das war auch so: Sa. und ich wollten heiraten; aber da Ede, Sa.'s Vater,
in die Heirat nicht einwilligte, sondern sagte, ich solle warten, bis Sa. volljährig sei, musste
ich bis zum 17. Januar 1974 warten. R. und N. wollten auch heiraten. Sie wollten in Lüdenscheid,
wo R.s Eltern wohnten, ihre Papiere zusammen bekommen. Wegen ihren Papieren mussten wir noch nach
Berlin fahren, da R.s Eltern nach Berlin umgezogen sind. Das war für uns nicht schlimm, denn wir
machten daraus eine Missionsreise.
Wir fuhren mit H.s VW-Bus nach Berlin; es war sehr kalt, denn auch die Heizung funktionierte
in dem Bus nicht. Ich weiß noch, dass wir bei einem Ehepaar, sie kamen aus Korea, zum Abendessen
eingeladen waren. Als wir dann spät abends uns auf den Heimweg machten (ich glaube wir schliefen
bei R.'s Eltern), da wusste ich nicht, ob die Straße glatt sei. Also fragte ich Gott, ob die Straßen
glatt seien. In dem Moment drehte sich ein Auto vor uns um seine eigene Achse. Ich sagte "
danke Jesus" und fuhr vorsichtig weiter.
Wir trampten also von Norden nach Lüdenscheid, damit R. seine Papiere fertig machen konnte. Der
erste Teil des Teams, das schon am selben Tag ankam, schlief im "Loher Wäldchen". Da
stand eine offene Hütte mit Bänken an den Wänden, auf denen man gut schlafen konnte. Die Polizei,
die Kontrolle fuhr, hörte so die Botschaft von Jesus.
Bei einer Wim Malgo - Veranstaltung (Mitternachtsruf) lernten wir am nächsten Tag eine
Schwester kennen, die H. kannte (Jahre später starb er an Krebs). Sein 'orginalName' bed.
"starker Kerl", und deshalb wollte er einen neuen Namen. Von uns hörte er, dass man
neue Namen bekommen könne. Und Gott gab ihm den Namen H.. H. hatte in der Loherstraße ein
Häuschen, in dem er alleine wohnte. Er betete ein paar Tage zuvor, dass Gott ihm doch junge
Leute schicken solle, die mit ihm wohnen wollten. Und wir kamen. So lies er uns in seinem Haus
wohnen.
H. war sehr beeindruckend; er gab sein Geld, nachdem er die regelmäßigen Zahlungen beglich,
an Arme und an Missionsgesellschaften, die es im Siegerland wahrlich nicht wenige gab. Er
glaubte, dass Gott ihn für den Rest des Monats versorgen würde. Klasse. Von ihm erhielten wir
auch den VW-Bus. Ich weiß noch, als wir gerade wenige Tage bei ihm wohnten, da lieh er ihn uns
aus, und ich wusste in mir, dass wir diesen Bus bekommen werden.
Dieses Häuschen hatte unten eine Bücherstube, die wohl der Ecclesia-Gemeinde, die von einem
Bruder T. geleitet war, angeschlossen war. Hier hatten wir die Möglichkeit nach Herzenslust
Bücher zu lesen.
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Unsere erste Reise nach Israel
Sa. und ich heiraten am 17. Januar 1974. Wir feierten im kleinen Kreis. Die
standesamtliche Trauung fand in Riegel statt. Mit Lautsprechern an den Straßenecken, durch die
die Dorfverwaltung ihre Informationen durchgab, wurde nun bekannt gegeben, dass zwei Menschen
heirateten. Da wir aber nicht wie Hochzeitsleute gekleidet waren, schauten die Dorfbewohner, als
die Musik und dann die Ansage kam, wo denn das Brautpaar wäre. Sie sahen niemanden. Denn uns
konnte man nicht als Hochzeitsleute erkennen. Denn wir gingen in unseren Jeans, die wahrlich
nicht neu waren, und auch in Alltagskleidung. So erkannte in uns niemand das angekündigte
Hochzeitspaar. Das war uns lieb so.
Da wir keine Kochtöpfe und dergleichen wollten, baten wir alle die, die uns beschenken
wollten, dass sie uns lieber Geld geben sollten. Wir wollten doch nach Israel, wie Gott es uns
auf Norderney durch den Pfeil zeigte, dass es in seinem Willen läge. R. hatte mit seiner N. ja
auch geheiratet, aber ihr Hochzeitsgeld wurde aufgehoben. Sie bekamen es erst nach Israel in
Form einer super Gitarre. Anscheinend waren wir oft die "Blöden", von denen man lebte.
Wir merkten es aber (Gott sei Dank) nicht. Wir gaben unser Hochzeitsgeld in die
Gemeinschaftskasse und damit für die Israelreise.
Wie sollten wir nach Israel kommen? Mit dem VW-Bus von H.? Das heißt, wir müssten mit der
Fähre übersetzen. Wir waren unschlüssig. Wir planten, als hätten wir das Geld schon in der Tasche.
Aber wir hatten wie üblich KEIN Geld. Erst durch unsere Hochzeit bekamen wir Geld. Aber das erste
Geld für die Reise erhielten wir an einem Abend. Wir waren wir in einem Bibelkreis in Freiburg
eingeladen (oder gingen wir hin ohne Einladung? Ich weiß es nicht mehr). Wir berichteten von
unserer letzten Reise nach Norderney. Am Ende gab eine Frau uns einen Umschlag, auf dem "
Gute Reise" stand. Sie sagte, dass sie das Geld heute von der Bank abholte, aber Gott hätte
ihr heute Abend gezeigt, dass sie uns das Geld geben solle. Wir erzählten nichts von unserem
Reiseziel! Im Umschlag befanden sich 800 DM! So viel Geld hatten wir noch nie zuvor gehabt!
Wir sahen darin eine Anzahlung Gottes für unsere Reise. Also gingen wir zu verschiedene Reisebüros
und erkundigten uns. Aber alles schien uns zu teuer. Dann lasen wir an einem Schaufenster eines
Reisebüros: Schüler, Studenten und Jugendliche. Billige Preise. Wir gingen sofort
hinein. Das Sonderangebot war 450,-- DM ein Ticket nach Israel und zurück. Wir wollten gleich die
Tickets kaufen; aber wir mussten noch warten, da M. noch nicht ohne Erlaubnis ihrer Eltern, da
sie noch nicht einmal 16 Jahre alt war, verreisen konnte. Ein Bruder, M., schrieb uns eine
Postkarte, dass er im Februar nach Israel fahren würde. Als ich diese Karte so in der Hand hatte,
da wusste ich in mir, dass dies unser Termin sei. Ich schrieb ihm zurück, dass er doch mit uns
fahren könne. Er wohnte bei Siegen und wir lernten ihn bei irgendeinem Jugendkreis dort kennen.
Er war für einige Wochen bei den Kindern Gottes gewesen. Also wollten wir ihm heraus helfen -
und auch mit ihm zusammen sein. Er war ein "Großmaul". Wir holten ihn ab und fuhren
wieder nach Emmendingen zu U..
Leider wurde es nichts mit unserem Termin, da die Einwilligung für M. nicht kam. Und ihr Vater
war Alkoholiker. Der Termin verschob sich um eine Woche. Aber so wurden wir von der EL-AL
auf die Swissair für den gleichen Preis umgelegt.
Doch das war schon stressig, weil wir nun keinen Platz mehr hatten, wo wir für die Restzeit
bis zum Abflug wohnen konnten, da wir die Zelte abgebrochen hatten. Wir konnten bei einem Ehepaar
des Bibelkreises, wo wir schon die 800 DM bekamen, für die Restzeit bleiben.
Der Flug war super. Ich fuhr in der Ersten Klasse von Basel nach Zürich, da es keinen Platz
mehr in der Touristenklasse gab. Aber es wurde mir doch übel, als das Flugzeug startete und noch
mehr, als es landete; schließlich war das mein erster Flug überhaupt! In Zürich stiegen wir um
und flogen nach Tel Aviv. Hier flog auch eine amerikanische Baptistengruppe mit. Sie schenkten
uns sehr dünne englische NT's (Neue Testamente). Wir trafen diese Gruppe noch mal in Jerusalem.
Als wir in Israel spät abends ankamen, da wussten wir nicht, wo wir schlafen sollten. Wir
hatten ja kein gebuchtes Hotel. Nur unsere Rucksäcke und das Ticket. Also gingen wir vom Terminal
weg und suchten uns in einer Orangenplantage einen schönen Platz. Die Luft war von dem Duft der
Orangenblüten erfüllt.
Am nächsten Morgen fragten wir uns, wo wir nun hinfahren sollten. Klar: in die Stadt des
großen Königs. Also trampten wir nach Jerusalem. Das war sehr einfach, aber doch anders als in
Deutschland. Hier trampte nämlich jeder, ob Soldat oder Zivilist. Also fuhr man in einem Auto
vielleicht mit noch anderen Trampern, zu meist Soldaten.
Wie wird Jerusalem aussehen? In meiner Phantasie war es eine sehr große und schöne Stadt.
Sicher würde man überall den Geist Gottes "riechen". Auf dem Weg hinauf nach Jerusalem
sah man die Panzer vom 6-Tage-Krieg als Denkmäler. Und je näher wir nach Jerusalem hinauf kamen,
desto neugieriger schaute ich mich um. Und dann die große Mauer. Es war schon Abend und die
Steine waren gelblich beleuchtet. Wir stiegen aus dem Auto aus und gingen andächtig auf die
Mauer zu. Es war das Jaffator. Wir gingen in die Altstadt. Aber wo sollten wir schlafen? Wir
fanden ein Kloster, in dem man für wenig Geld übernachten konnte. Als wir dann auf unserem
Zimmer waren, las ich in der Bibel. Draussen hatte es zu regnen angefangen und deshalb mussten
wir auch eine Unterkunft anmieten. Das hatte sich auf mein Gemüt ausgewirkt. Dazu kam, dass ich
aus der Offenbarung las: die Stadt, die geistlich Sodom und Ägypten heißt. Wie heißt Jerusalem?
Ich war schockiert; nebenbei sei erwähnt, dass die Taxis in Jerusalem das Autokennzeichen '666'
hatten. Aber durch die depressive Stimmung wurde diese Aussage aus der Offenbarung noch
unterstrichen. Am nächsten Morgen wollten wir schnell wieder von Jerusalem weg. Wir saßen noch
im Innenhof und lasen unsere Bibel. Da kam die amerikanische Baptistengruppe, die wir im Flugzeug
trafen, mit Kameras. Sie stürmte in den Innenhof, schossen etliche Fotos, winkten uns noch
schnell zu und verschwand so schnell wie sie kamen.
In dem Kloster waren noch andere Touristen. Einer z.B. erzählte, dass er nicht
mehr stirbt, da er 3 Tage tot war. Ach, mir prägte sich das Bibelwort ein, wo es heißt, dass in
ihren Gemäuern die Schakale und Strauße wohnen werden. Für mich war der Mann ein "Unreiner
", wie ein Schakal. Irgendwie ein Verwirrter. Und das in Jerusalem!
Wir trampten schnell weg. Wir wollten jetzt ins warme Gebiet. Es war so kalt, dass
ich mir an einer Bushaltestelle noch eine warme, lange Unterhose anzog.
Wir fuhren nach Askalon. Am Ortseingang von Askalon pflückten die 3 Schwestern, Sa., N. und
M., Blumen. Mir gefiel das nicht, da ich den Rucksack auf dem Rücken hatte. Man sollte doch die
Blumen stehen lassen. Aber nein. Die Blumen verwelken ja doch bald. Sie wurden gepresst und
gesammelt. Doch während die 3 Blumen pflückten, kamen 2 junge Israelis. Wir sprachen sie an und
sie luden uns zu sich nach Hause ein. So hatten wir für die nächste Woche eine Unterkunft. Das
war auch gut so, denn es war Regenzeit. Von hier konnten wir auch in die nahe gelegene Wüste
gehen. Ach, wie still es hier war! Wenn wir uns unterhalten wollten, konnten wir leise und in
Entfernung miteinander reden. Das war ein erholsames Erlebnis für die Ohren. Der eine der zwei
jungen Männer, ein Russlandsjude, entschied sich noch für Jesus. Oft bekannte uns der andere,
dass er letzte Nacht eine gute Zeit mit dem Teufel gehabt habe: er ging gerne in eine Disko.
Wir wollten noch ans Tote Meer. Dort wollten wir fasten. Natürlich wie Jesus in der
jüdäischen Wüste. Wir nahmen extra kein Essen mit uns ans Tote Meer. Ein Autofahrer, der wohl im
Kibbuz von Ein Gedi arbeitete, nahm uns von Jerusalem mit. Er sagte, dass es hier am Toten Meer
nicht regnen würde, obwohl die Wolken ganz schön schwarz waren. Denkste. Kaum standen wir
außerhalb des Autos, da fing es an zu regnen. Wir rissen uns die Regenponchos über und warteten
bis der Regen aufhörte. Dann bauten wir uns Zelte aus den Ponchos. Und irgendwann bekamen wir
einen enormen Hunger. "Kommt Mihd, kommt Bläd" (= kommt Müdigkeit, dann kommt Blödheit,
Blödelei). Ja, so war das; wir lachten, weil wir so großen Hunger hatten. Die fromme Fastenzeit
verkehrte sich in ein grölendes Gelächter. Zu guter letzt gingen wir in die Plantagen und aßen
grüne Tomaten; es war zu dunkel, um die roten zu finden. Am nächsten Tag nahmen wir unseren
Rucksack und gingen in den Kibbutz, um etwas zu essen zu kaufen. Aber wir fanden niemanden,
kamen aber in den Speisesaal. Dort standen auf den Tischen Marmelade und Zucker. Wir leerten
einige Marmeladegefässe und Zuckerbehälter. Mundraub. Ach wie wir hungrig waren. Der Weg in den
Kibbutz war so sehr beschwerlich, dass die Halskette an M.s Hals zu schwer wurde. Er trug noch
den Anhänger der Kinder Gottes: ein Joch.
Unser totales Ziel - wegen dem Hunger - war nun Jerusalem. Nach einer TrampTour
kamen wir am Fuße des Ölberges, der gegenüber dem Goldenen Tor liegt, an. Sofort kauften wir
uns im arabischen Viertel Brot und Milch. Und dann hatten wir das nächste Problem: wir hatten
zu viel gegessen. Nun wollten wir auf den Ölberg zu dem Bibelzentrum von Schl. Hizak. Der Weg
war steil. Sa. und M., R. und N. zogen fleißig den Berg hinauf. Nur M. und ich legten uns auf
die Straße, die kaum befahren war. Wir konnten einfach nicht mehr. Wir hatten wohl wirklich zu
viel gegessen. Da kam ein Auto; wir mussten aufstehen. Sa. rief von oben zu uns: "Kommt
doch, ihr Faulen!" Als das Auto vorüber war, da legten wir uns wieder auf die Straße. Da
kam wieder ein Auto, ein Taxi; wir standen wieder auf und gingen auf die Seite. Sa. gestand
später, dass sie dachte, dass uns Gott nun eine Lektion gab. Das Auto hielt an. Der Fahrer
fragte, ob er uns mitnehmen dürfe. Ich sagte, "wenn es nichts kostet, klar". Gut,
wir durften einsteigen. Hinten saß angeblich der Besitzer des Taxiunternehmens. Er fragte,
für wie viele Kamele ich ihm M. verkaufen würde. Ich sagte, weil er in englisch fragte und
von Camels redete, ich würde nicht rauchen. Echt, ich habe in keiner Weiser an echte Kamele
gedacht. Für mich waren Camels Zigaretten. Der Mann muss wohl dumm geguckt haben. Doch wir
hatten keine Zeit, da wir nun schon fast bei Sa. und den anderen waren. Ich fragte ganz schnell
unseren Taxifahrer, ob er die auch mitnehmen würde. Ja. Aber Sa. wollte erst nicht, da sie
es unmöglich fand, dass Gott uns das Auto gab. Sie entschloss sich dann aber doch, nicht auf
ihrem Groll sitzen zu bleiben und stieg ein.
Wir durften eine Nacht in der Kapelle im Bibelzentrum übernachten. Am nächsten Tag gingen
wir in die Altstadt und am Abend saßen wir dann an irgendeiner Straßenkreuzung in Jerusalem auf
unseren Rucksäcken. Wir warteten irgendwie auf Gott, weil wir nicht wussten, wo wir zum schlafen
hin sollten.
Eine Polizeistreife fragte uns, was wir hier machen würden. Wir erklärten, wir würden auf Gott
warten; wir benötigten einen Schlafplatz. Sie wollten uns zu einem Wäldchen schicken, in dem
man schlafen könne. Doch wir sagten, wir warten lieber auf Gott. Diese Polizei kam nun des
öfteren vorbei und wir saßen immer noch da. Doch dann kam ein junger Israeli und fragte, was wir
hier machten. Wir sagten ihm, dass wir auf einen Schlafplatz warten würden. Sofort erklärte er
sich bereit, in dem Kloster zu fragen, in dem er wohnte, um die hebräische Sprache zu studieren.
Er war Beduine und wollte für sein Volk die Bibel übersetzen. Als wir dann von der leitenden
Nonne die Erlaubnis bekamen, in dem Kloster zu übernachten, luden wir uns die Rucksäcke auf -
und in dem Moment kam die Polizei wieder. Wir verkündigten ihnen freudestrahlend, dass Gott uns
einen Schlafplatz gegeben habe!
Am nächsten Morgen erklärte uns diese Nonne, dass sie selbst überrascht sei, dass
sie uns aufnahm. Sie sagte uns noch, dass es ein Kloster gäbe, das in einem Wäldchen läge,
das "Maison d'Abraham".
Als wir noch auf dem Ölberg bei Schlomo Hizak übernachteten, da zeigte uns Gott, dass er uns ins
Wäldchen führen würde. Und nun hörten wir von einem Kloster, das im Wäldchen liegt. Sofort
gingen wir hin - und wahrhaftig, wir durften hier eine ganze Woche bleiben. Hier zeigte mir dann
auch Gott, dass Israel zu den Christen gehört, wie Fleisch und Geist zusammen einen ganzen
Menschen ausmachen. Dies war für mein Bibelverständnis sehr entscheidend. Denn nun hatte ich
nicht nur Israel eingeordnet, sondern konnte auch sehen, was Fleisch bedeutet in all seiner
religiösen Art, und wie wir Christen Israel unterstützen müssen, bzw. wie Geist sich zum Fleisch
verhält. Denn die ganze Zeit in Israel war ich sehr von der Frage umhergetrieben, wie wohl
Israel in den Plan Gottes passen würde. Als ich noch in Deutschland war, da war mir Isreal kein
Problem. Aber nun, als ich mitten in diesem Volk umherging, da fühlte ich mich fast wie der
ältere Sohn aus der Geschichte vom verlorenen Sohn. Missbraucht Gott mich, um Israel zur
Eifersucht zu reizen? Habe ich nur eine Statistenrolle? Durch die Erkenntnis, dass Israel
"nach dem Fleisch" das Israel nach dem Geist braucht, wie ein Mensch aus Fleisch und
Geist erst lebensfähig ist, konnte ich mich und Israel einordnen. So verstand ich dann auch,
dass das Neue Testament nicht ein Buch für die Heiden ist, sondern in erster Linie für Juden!
Natürlich, weil ich eingepfropft wurde in das Volk der Verheißung, gilt das Neue Testament auch
mir. Und doch sprach Jesus nicht nur von und für Christen! Das Gleichnis von den 10 Jungfrauen
hatte ich immer auf die Heidenchristen gedeutet. Doch nun sah ich, dass Jesus von 2 Gruppen
redete, die auf ihn warten werden, wenn er wieder kommt: natürlich Israel, die auf den Messias
warten und Christen, die auf Jesus, den Messias warten. Die einen haben Öl, den Geist Gottes
direkt und die andere Gruppe benötigt die 2 Ölbäume, damit sie Öl erhalten, die Krämer, bei
denen man Öl kaufen kann. Bei der Hochzeit des Lammes sind sie ausgeschlossen, weil sie zu spät
kommen, aber sie haben Öl erhalten! Denn sie kamen zurück. Und sie werden dann verwahrt durch
die 2 Flügel des Adlers vor dem Zorn des Teufels, des Drachens (lies dazu die Offenbarung des
Johannes).
Die Zeit in Israel schien nun abgeschlossen zu sein. Wir planten unsere Rückreise. Doch
zuerst fuhren wir nochmals nach Askalon. Und hier las ich in der Offenbarung (Kap. 13), wie das
Tier aus dem Meer kommen wird - und ich stand am Meer bei Askalon und stellte mir das so vor;
das war sehr beeindruckend.
Gott sprach noch zu mir, bevor wir Israel
verliessen, anhand vom Galaterbrief, dass ich 14 Jahre später
wieder nach Jerusalem kommen würde. Es sprach mich so sehr an,
dass ich wusste, Gott habe zu mir geredet (obwohl es natürlich ein
Reden Gottes für Paulus war). Hätte ich das die 14 Jahre
hindurch geglaubt, dann hätte mein Weg nicht so einer Achterbahn
geglichen. Und wirklich: 1988 fuhren wir mit Hildegard das 2. Mal nach
Israel.
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Sommer 1974
Als wir dann nach 6 Wochen Aufenthalt in Israel zurückflogen, hatte ich
Bedenken, ob es in Deutschland nicht zu kalt sei. Hinzu kommt, dass wir nicht wussten, wo wir
schlafen könnten. Als wir in Basel ankamen, schien die Sonne sehr schön und warm. Preis sei Gott.
Die ersten Nächte schliefen wir auf einer Wiese zwischen Emmendingen und Wasser. Nach der 2.
Nacht sprach Gott, wir sollten bei dem Pastor der Baptisten fragen, ob er uns aufnehmen könne.
Wir waren 6 Personen! R. und ich gingen hin, um zu fragen. Es war gerade zur Mittagszeit - in der
man normalerweise niemanden besucht! Als wir an seiner Haustür klingelten, machte er sofort auf.
Er sagte, dass Gott ihm gesagt habe, er solle keinen Mittagsschlaf halten, weil er Besuch bekäme.
Und nun waren wir da. Wir fragten, und er sagte sofort zu, dass wir in seiner Wohnung für eine
Woche bleiben dürften. Denn er wollte für eine Woche in Urlaub fahren, und dann sei die Wohnung
leer. So versorgte uns Gott.
Nach dieser Zeit fuhren wir wieder nach Lüdenscheid zu H. in die Loherstrasse.
Wir wollten ein Traktat herstellen. Also schrieben wir ein Traktat und wollten eine Druckerei
finden, die es drucken würde. Doch hatten wir dafür kein Geld. An einem Morgen gingen wir in den
Park, wo sich die Schüler trafen und wollten missionieren. Bei dieser Gelegenheit trafen wir
einen Drucker und einen Lithografen. Der eine konnte die Druckplatte herstellen und der andere
konnte drucken. Und der Drucker war der Sohn eines Druckereibesitzers in Lüdenscheid! Ist Gott
nicht gut? Aber es sollte trotzdem etwa 600,-- DM kosten.
Eines Morgens klingelte der Postbote an der Tür. Er hatte ein Einschreiben für uns. Als wir den
Umschlag öffneten, wunderten wir uns, weil schöne Bilder drin waren. Bei näherem Hinsehen waren
es keine Bilder, sondern schweizer Banknoten: 2000 Franken. Puh. Als wir aus Israel in Basel
ankamen, lernten wir einen Studenten aus der FETA (Freie Evangelische Theologische Akademie)
kennen, der wohl uns sehr beeindruckend fand. Dieser sandte uns die 2000 Franken, weil Gott es
ihm aufs Herz legte. Er wollte sich einen Fernseher kaufen und sandte uns das Geld - nicht
wissend, dass wir es dringend benötigten!
Sofort gingen wir mit dem Geld zur Druckerei und wollten unsere Traktrate abholen. Denn der
Drucker wollte sie drucken, und wenn wir zahlen könnten, würden wir sie bekommen. Aber er hatte
noch nicht mal angefangen, weil er einfach nicht glaubte, dass uns Gott versorgen würde.
In dieser Zeit hatten wir auch Besuch von einer Kommune, die an Jesus glaubte.
Sie wollten uns mal kennen lernen und "prüfen". Als sie sahen, dass in meiner Bibel
ein Buch mit Namen "Genesis" war und eines mit "Exodus", da wussten sie,
dass wir Irrlehrer seien. M., der selbst so ein "Freak" war, verstand sich recht gut
mit ihnen. Diese Kommune kam von einem Bauernhof (näheres über diese Kommune ist in Walter
Heidenreich's Buch "Help, I need somebody" zu lesen).
Hier in Lüdenscheid besuchte uns einmal ein Bruder aus Ungarn. Er belehrte uns,
dass man alle seine Sünden, die man als Nicht-Christ begangen hatte, bekennen müsse, um frei zu
werden. Irgendwie hatte er unser Vertrauen gewonnen. So schrieben wir alle, jeder einzeln, seine
Sünden auf, die ihm so einfielen. Alle Blätter wurden eingesammelt und M. musste sie dem Bruder
vorbei bringen. M. berichtete, dass er die Last förmlich spürte. Ich selbst spürte keine "
Entlastung", als M. so unsere Sünden wegtrug.
Dieser Bruder erklärte auch, dass wenn man nicht immer Heilungs"erfolge" habe, dann
ist die Gabe nicht von Gott! Denn ich fragte ihn, weil ich Vertrauen zu ihm hatte, dass ich
manchmal für Kranke bete und sie werden gesund und manchmal blieben sie krank. Seine Antwort
stahl mir den Mut, im Glauben weiterhin für Kranke zu beten. Es dauerte schon Zeit, bis ich
diese blöde Lehre über Bord werfen konnte.
Dieser Bruder erklärte uns auch, dass man die Gaben des Heiligen Geistes, wie Zungenrede erhalten
müsse. Auch hier tat sich etwas merkwürdiges. Ein Bruder unserer Gemeinschaft hatte kurz darauf
in einer Gebetsstunde unter uns ein starkes Erleben, das sogar soweit ging, dass er in die Hose
machte. Er behauptete darauf hin, dass er den Spätregen erhalten habe, von dem der ungarische
Bruder sprach. Diese Episode durch diesen Mann aus Ungarn war bald abgehakt. Denn er brachte
mehr Verwirrung als Hilfe.
Das Häuschen in der Loherstraße mussten wir Ende '74 verlassen, weil die Gemeinde nicht mehr
hinter uns stand, obwohl gerade bei unserer ersten Begegnung der Gemeindeleiter, Traugott,
bezeugte, dass er kein großer Prophet sei, aber während wir in ihrem Gottesdienst sangen, hätte
er viele, viele Engel mitsingen gehört. Aber wir waren zu sehr noch "Hippies". M. z.B.
popelte sich während des Abendmahls zwischen den Fußzehen herum.
Wir zogen zu E.s nach Bochum; J. wollte "Urgemeinde" mit uns starten. Unsere Urgemeinde
endete so: wir wohnten im Keller und aßen Kartoffeln und er saß oben und hatte Fleisch etc. Auch
die Zahnpaste musste dann "gerecht" geteilt werden. Ende der Urgemeinde: wir hatten
bei E.'s Schulden.
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Bei M. ('74 - '76)
Wir verließen also die E.'s und fuhren nach Stuttgart, da dort eine
Israelkonferenz mit Ludwig Schneider stattfand. Ludwig Schneider beeindruckte mich sehr. Er sah
mit seinem Vollbart wie ein Jude aus.
Da wir kein Geld für Übernachtung hatten, schliefen wir unter einer Brücke. Als Ludwig Schneider
das erfuhr, bezahlte er uns einen Platz in der Jugendherberge. Und zum Abschluss der Tage winkte
er uns an seinen großen Mercedes heran (er hatte das Äußere eines 600er Bullman), kurpelte das
Fenster runter und sagte in (s)einem coolen Ton: "Ihr seid Pudding"! Das saß. Ich musste
mich ja noch zu dem Fenster herab beugen, um ihn besser zu hören - und dann hörte ich dies in
dieser demütigen Haltung! Ich glaube, ich ging dann wieder so gebeugt zurück zu den anderen, die
in der Tür der Jugendherberge standen, um dem großen Ludwig zu winken.
Hier war es auch, dass R. und N. uns verließen. Sie hatten erdgebundenere Wege zu gehen. Das war
eine gute und eine schlechte Nachricht. Gut, weil ich dann diesen Choleriker nicht mehr ausstehen
musste und schlecht, weil sie doch dazu gehörten und man sich doch irgendwie mochte.
Wir entschlossen uns, zu M.s Eltern nach Neunkirchen bei Siegen zu fahren. Denn
die obere Wohnung war leer, wie für uns vorbereitet.
Und da wir nicht mehr "Pudding" sein wollten, gründeten wir einen Verein. Wir wollten
nun endlich "vernünftig" unser Christsein ausleben. Wir gingen zu einem Rechtsanwalt
und er setzte uns eine Satzung auf. Der Name? Wir wählten auf die Schnelle: "Pipeline Gottes".
Ja, gesprochen klang der Name nicht so schlecht. Aber wenn ein Deutscher den Namen las, konnte
er auch 'Clementine' lesen - oder noch Schlimmeres! Sofort riefen wir den Rechtsanwalt an, er
solle keine Satzung machen, bis wir einen Namen hätten.
Als wir dann endlich einen Namen favorisierten, gingen wir zu einem Rechtsanwalt in der Nähe und
dieser stöhnte über uns, weil er sah, dass wir absolut keine Ahnung hatten. Er wollte uns helfen
und versprach, seine Arbeit für uns kostenlos zu machen. Paragraph 1, Name: "Der Herr ist
mein Hirte e.V." Wir fühlten uns super. Nun hatten wir einen Namen und waren eingetragener
Verein. Leider benötigten wir diesen Verein gar nicht - da wir keinen Geldverkehr hatten. Wir
lebten definitiv von dem, was uns Menschen aktuell gaben. Wir brauchten wirklich kein
Spendenkonto und deshalb auch nicht die Mühe eines Vereins, wegen dem wir dann jährlich mit dem
Finanzamt zu tun hatten.
Bei M.’s Eltern war es eine schöne Zeit. Sie integrierten uns fast in die Familie. Für uns
war die Zeit auch interessant, denn wir wollten weg kommen von "Pudding". Einmal
musste jeder einen ganzen Tag lang aufschreiben, was er so tat. Uhrzeit und das, was getan wurde.
Ich war geschockt, wieviel Leerlauf wir im Laufe eines Tages hatten!
Ganz einfach: wir wurden kein Anti-Pudding oder etwas stabileres.
Einmal trampten Sa. und ich von Süddeutschland nach Neunkirchen. Es war
Silvester/Neujahr. Die Autobahn war echt wie ausgestorben. Wir wärmten uns bei einer Raststätte
auf. Ich las aus der Offenbarung, wie Johannes ein Büchlein verschlucken musste. Im Mund war es
süß und im Magen bitter. Interessant war, dass der Engel dieses Geschmackerlebnis so ankündigte,
dass er erst vom bitteren Geschmack im Magen sprach und dann vom süßen im Munde; aber als
Johannes es aß, da war die Reihenfolge normal: erst süß (im Mund) und dann bitter (im Magen).
Mir wurde dabei klar, dass Gottes Reihenfolge immer so ist, dass das letzte das beste wird. So
konnte ich glauben, dass die Tramptour sehr gut ausgehen wird - egal wie sie nun ins Stocken kam.
Und? Von dieser Raststätte nahm uns ein Mann 'gnädigerweise' mit und fuhr uns, obwohl er nirgends
hin wollte, bis vor die Haustür!! Preis sei Gott!
Als der Winter vorüber war, gingen wir wieder auf die Straße. Manchmal
"träumte" ich davon, dass ich auf der Straße öffentlich predigte. Ich hatte dann auch
so eine Predigt im Kopf, die in mir abspulte. Doch als ich dann mit den Geschwistern auf der
Strasse war, gab es keine innere "Verpflichtung" mehr dazu. Ach, wie heißt es doch so
treffend: "mit dem Sinn diene ich Gott (wenn ich träume), aber mit dem Fleisch der Sünde
(wenn ich im Wachzustand handeln muss)".
Im Siegerland gibt es ja kaum "Ungläubige". So lernten wir auch die "offenen"
und "geschlossenen Brüder" kennen, die sehr stark im Wort verankert sind (wie ich meine),
was aber nicht kompatibel mit uns war, obwohl wir ebenfalls die Bibel zu unserer Richtschnur
hatten. Wir lernten ganze Kapitel auswendig; jeder, der zu uns kam, musste eine Anzahl (etwa 100)
Bibelverse auswendig lernen. Und trotzdem waren wir echt zwei Welten - und hatten doch
Freundschaft.
Wir verließen dann irgendwann Neunkirchen und fuhren auf "Mission". Wir
teilten das Team in 2 Gruppen auf; ich fuhr mit Sa., M. und B. nach München und M. mit dem
Rest, M., I. und M. nach Herford etc. Was ich von der Missionstour von M. noch weiß, sind zwei
Dinge: einmal erkannte I., dass man Gott gehorchen muss und deshalb wusch er sich erst dann,
wenn ihm Gott das auch sagte und das 2. war dies, dass M. einem Pastor ebenfalls erklärte, dass
er nicht einfach predigen könne in der Gemeinde, wenn Gott ihm nichts gegeben hätte zu sagen.
Daraufhin, als dieser Pastor dann am Sonntag vor seiner Gemeinde stand und "fröhlich"
erklärte, dass ihm Gott nichts gegeben hätte, was er ihnen zu sagen habe, wurde ihm gekündigt.
Er selbst wurde dann Pharmavertreter. Diese zwei Geschichten aus M.s Team hatten mich geärgert
und ich meine auch heute noch, dass es eine falsche Richtung war, die dieses Team einschlug.
Marantha war sowieso ein etwas "harter Brocken". Er berichtete oft, wie er zum Glauben
an Jesus fand. Seine Eltern waren Christen und er war, wie so viele junge Leute, rebellisch
gegen alles, was über ihnen war, z.B. auch Gott. So war er in einer Bande, wo man aus den
Stiefeln Wein soff. Als er dann den Tag X erlebte, dass Jesus zu ihm kam, da schmiss es ihn auf
den Boden. Wie man sich bekehrt, so ist man auch, denn Gott fasst uns so an, wie wir sind.
Dieses "großmaulige" war eigentlich typisch M.. Es gefiel ihm, allen zu erklären, dass
wenn ich auf eine Bibelschule ginge, er mit käme, da man uns sowieso bald rausschmeißen würde.
Große Töne.
Als wir uns, die zwei Teams, dann im Winter wieder trafen, lehrte ich den gesamten
Winter über den Römerbrief, um eine Kurskorrektur zu erreichen. Natürlich auch mit einigen
spitzen Kanten. Doch davon später.
Als wir in diesem Sommer in München waren, wir schliefen im Gebüsch des Parkes, der von den zwei
großen Straßen eingerahmt wurde, die am Stachus vorbei führten, half mir Gott, meinen Wunsch zu
erfüllen, öffentlich zu predigen. Damit sage ich nicht, dass ich darauf brannte, auf der Strasse
zu predigen, aber mein "innerer Mensch" wollte das gerne, aber der "äußere"
lahmte da etwas hinterher. Das kam so: an einem Morgen, als wir wieder zum Stachus gingen, B.
und ich, erzählte B., dass er am Morgen gelesen habe, dass man aller Kreatur predigen solle. Ich
sagte, dass wir das ja bereits täten. Er erwiderte darauf, dass er damit Gott so verstanden habe,
wir sollten öffentlich predigen. Innerlich hatte ich Furcht, aber nach außen reagierte ich, als
wäre das ungeistlich, was B. da von sich gab. In dem Moment fiel eine Frau vor uns auf den Boden
und blieb liegen. Ach nein! Was soll denn das. Alle Leute strömten herbei und es bildete sich
schnell eine große Menschentraube. Jetzt predigen? Unmöglich! Der Krankenwagen kam; das wäre die
Gelegenheit! Der Krankenwagen fuhr wieder ab - und ich war erleichtert, dass ich nun nicht mehr
predigen müsse. Denn die Leute waren wieder verteilt.
Als wir im Park, wo wir "wohnten", von unserer Niederlage Sa. und M. erzählten,
sagten sie, dass wir schlapp seien. Sie würden nun zum Stachus gehen und predigen. Und sie zogen
mit der Gitarre los. Nach etwa einer Stunde kamen sie zurück. Ja, sie hatten gesungen und
gepredigt. Wie blamabel! Das konnten wir nicht auf uns sitzen lassen. Ebenfalls mit Gitarre
bewaffnet, gingen wir wieder zum Stachus. Wir stellten uns in den Torbogen und fingen an zu
singen. Ich verbat es mir, darüber nachzudenken, was ich hier gerade mache, bzw. was ich gleich
tun werde. Man muss sich das auch bildlich vorstellen: ich bin 1,96m und B., wenn er groß war,
dann war er gerade mal etwas über 1,60m! Das Lied war zu Ende. Ohne nachzudenken, ich
hatte aber klare körperliche Anzeichen von Stress, die ich nicht unterdrücken konnte (trockener
Mund, Kloß im Hals, feuchte Hände etc.), machte ich einen Schritt nach vorn und redete sehr laut;
was? Ich weiß es heute genauso wenig wie damals. Ich rief einfach nur. Laut. Doch irgendwann
gewann auch mein Gehirn seine Regieaufgabe zurück - und es machte Freude, für Jesus hier zu
stehen und zu predigen. Stolz und glücklich gingen wir nach getaner Arbeit wieder zu unserem
Park. Am nächsten Tag wollte ich sofort wieder zum Stachus.
Als wir wieder mal am Stachus predigten, hörten zwei Engländer zu, die auf dem Weg nach Indien
waren. Als wir uns dann mit ihnen unterhielten, gaben sie Jesus ihr Leben. Sie wollten wissen,
wie wir leben. Wir nahmen sie mit in den Park und lasen mit ihnen aus dem Matthäusevangelium,
Kapitel 6, Vers 33. Hier steht es: trachtet zuerst nach Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit,
und alles andere, wie Lebensmittel etc. wird uns gegeben werden. Wie sollte man das erklären?
In diesem Moment kam eine Frau im Park an uns vorbei, blieb bei uns stehen, öffnete ihre Tasche
und zog 20 DM heraus und warf sie uns zu und ging weiter! Wir erklärten den Engländern, dass
sich dieser Bibelvers aus Matthäus 6, 33 auf diese Weise realisiert. Danke Jesus!
Wir waren nun einige Zeit in München und überlegten uns, was wir weiter tun
sollten. Mir wurde klar, dass wir ein Haus suchen sollten, da wir eine Weide brauchten für die
Schafe.
Wir fuhren an die Autobahnauffahrt Richtung Augsburg. Doch wo in Deutschland sollten wir
ein Haus finden? Wir legten fest, dass es entweder bei Freiburg oder aber in der Nähe von
Ottmarsheim sein solle, wo wir Freunde hatten und dass wir in die Richtung fahren werden, in die
uns das erste Auto mitnähme. Das erste Auto fuhr leider nur ein paar Ausfahrten weiter. Das Auto
aber, in dem Sa. und ich fuhren, fuhr bei Stuttgart in Richtung Heilbronn. Wir überholten die
beiden anderen im ersten Wagen und sagten, dass wir uns in Ottmarsheim bei St. treffen werden.
Sie war eine Christin von den Methodisten. Irgendwie lernten wir sie kennen. Genau an diesem
Wochenende war ihr Bruder da; er war zu der Zeit auf der Bibelschule in Adelshofen. Von
ihm oder seiner Schwester erfuhren wir, dass er ein Haus im Ort hatte. Ich sagte ihm, er möge
sich doch übers Wochenende überlegen, ob er uns das Haus vermieten würde. Er meinte, dass er in
der Schnelle keine Entscheidung treffen könne. Ich machte ihm Mut zu einer Entscheidung - und er
entschied sich, die Leute in dem Haus zu kündigen und uns aufzunehmen. Miete mussten wir keine
zahlen, aber die anfallenden Kosten. So schnell hatte Gott uns ein Haus gegeben! Gegen Ende des
Jahres konnten wir einziehen. Die Zeit nutzten wir, indem wir in andere Städte fuhren und
missionierten.
Gegen Ende `75 zogen wir mit Farbe und Lampen etc. in Ottmarsheim ein. Eine Familie, bei der wir
kurz vor Einzug wohnten und in deren Ort missionierten, fuhr uns nach Ottmarsheim. Sie schenkten
uns allerlei wichtige und unwichtige Dinge, die man so braucht, um ein Haus in Besitz zu nehmen.
In dem Ort, wo sie wohnten, sprachen wir mit dem Chef einer Fabrik, in der fast das ganze Dorf
arbeitete, ob wir in der Pause den Arbeitern von Jesus berichten dürften. Wir bekamen die
Kantine und alle Arbeiter wurden aufgefordert, in die Kantine zu kommen, um uns zu hören. Wir
sangen und predigten. Das war super.
Nun mussten wir in unserm neuen Haus zuerst mal Heizöl kaufen, damit der Winter kommen konnte!
Man bedenke, dass wir den Sommer zuvor bei E.s gewohnt hatten - und noch Schulden hatten! Doch
so wie beim Predigen auf der Straße, darf man manche Dinge nicht durchdenken, wenn man nicht in
den Unglauben abrutschen will. Gott sorgt für alles!
Als dann beide Teams sich in Ottmarsheim trafen, konnten wir eigentlich kaum das Haus
herrichten, weil wir zu viele waren. Doch notdürftig richteten wir uns ein. M.s Team lernte in
Herford eine Kommune kennen, die an Jesus glaubte. Sie lud er ein, dass sie uns über den Winter
besuchen könnten. Dafür benötigten wir etliche Betten! Gerade in dieser Zeit wurde eine Firma im
Nachbarort geschlossen, wo es auch Unterkünfte für die Arbeiter hatte. Wir fragten, ob wir die
Betten bekämen. Kein Problem. Wir erhielten etliche Stockbetten mit dem ganzen zusätzlichen, wie
Bettwäsche und Bettzeug. Gott ist gut.
Damit das Haus richtig hergerichtet werden konnte, Türen streichen etc., ließen wir M.
alleine im Haus und der Rest ging auf Mission.
Wir bildeten 2er-Gruppen und zogen in die umliegenden Städte. M. und ich gingen nach
Heilbronn, Sa. und M. nach Bruchsal und so ging jeder in eine Stadt. Wir machten dies aber nicht
nur wegen den Renovierungsarbeiten, sondern auch, um ein Zeichen zu setzen, dass wir nicht an
dem Haus hingen! Wir wollten keinen Turm zu Babel bauen. Wir wollten für Gott beweglich bleiben.
Hinzu kam, dass uns deutlich war, dass wenn man festsitzt, Gott einem nicht so recht lenken kann.
Und nebenbei bemerkt brauchten wir noch "etwas" viel Geld. Denn bei J., bei dem wir
auf seinen Wunsch hin "Urgemeinde" mitspielen sollten, hatten wir noch etliche
Schulden zu begleichen, und nicht zu vergessen, wir brauchten auch Geld für das Heizöl.
Ich hatte etwas Angst mit M. nach Heilbronn zu fahren. Denn wovon sollten wir solange leben?
Und wo sollten wir schlafen? Eigentlich hätte dies für mich kein Problem sein dürfen, aber ich
war nun mal so; wir fuhren alle ohne einen Pfennig Geld los. Gott zeigte M. ein Bild, wo er
seine durchbohrte Hand mit Geld füllte. Das gab mir Mut.
Jedes Team hatte super Erlebnisse zu berichten. Auch für mich und M. sorgte Gott. Wir
konnten bei OM (Operation-Mobilisation) übernachten und tagsüber auf der Fußgängerzone
missionieren.
Im Winter `75 auf `76 kamen also die Geschwister aus Herford zu unserer "Freizeit".
Ich sprach über den Römerbrief. Recht stolz war ich darüber, als I. meine "Kernaussagen"
auf ein Blatt Papier schrieb und sie aufhängte. Zurückblickend muss ich heute darüber schmunzeln.
Auch fragten wir bei einer Schule, nach unserer Gewohnheit, ob wir Unterricht übernehmen
könnten. Ein Religionslehrer war der erste, der sich meldete, als wir die Klasse aufriefen, das
Leben Jesus zu übergeben.
Als der neue Sommer kam, da wollten Sa., M., die Frau von Je. (damals war Je. noch
nicht der Ehemann von M. und noch nicht im Team) und M., die Frau von M., mit je 10 DM nach
England, um dort zu missionieren. Als Souvenir brachten sie einen "Apostel" mit, den
wir nach kurzer Zeit wieder auf seine Insel schickten. Hier ein Ausschnitt ihres Berichtes:
"Wir standen am Hafengelände von Ostende, was aussah, wie ein Bahnhof, ein antikes
Gebäude, gingen rein und wollten uns Tickets kaufen. Leider reichte unser Geld nicht. Am
Ticketschalter stand ein älterer Herr vor uns. M. gab ihm in der Warteschlange einen Flyer über
Jesus und wir kamen ins Gespräch. Er kam aus den USA. Er fragte uns, ob wir auch nach England
rüber fahren würden. Wir antworteten "ja, aber wir wissen noch nicht wie".
Da erzählte er uns von einem Peter, der ihm vor der Fahrt einen prophetischen Eindruck gab.
Er würde eine Begegnung mit drei Menschen vor einem alten antiken Gebäude aus Sandstein haben.
Dort würden die drei singen, tanzen und beten.
Als wir dies von ihm hörten, da dachten wir , das wäre der "Mann von Gott" gesandt,
der uns über das Wasser helfen würde. Aber er fuhr und wünschte uns noch alles Gute. Später
kam die Hafenaufsicht und verjagte uns, indem sie sagte, wenn wir nicht nach England fahren,
könnten wir nicht hier bleiben.
Ein Mann, er war Jude, hatte uns beobachtet und fragte uns, ob wir denn wüssten, wo wir
übernachten werden. Er erklärte uns, wie gefährlich es im Hafengebiet sei und dass wir uns da
nicht lange aufhalten sollten. Dann ging er mit uns zu einem Hotel, bezahlte ein Zimmer und
verließ uns wieder. Wir konnten ihm nur noch Danke sagen. Gott war so gut zu uns.
Am nächsten Morgen schien die Sonne, wir öffneten die Balkontür und da stand die Fähre "
Sealink" wie eine weise Verheißung, welche uns nach England bringen würde.
In unserem Inneren wussten wir, dass uns Gott rüberbringen würde.
Ein Mann fragte M., dem sie von Jesus erzählte: "Was wäre, wenn du nichts zu essen
hättest und kein Geld usw.?" Das war der Fall. Wir hatten jeder einen 10-Mark-Schein, den
wir nicht wechseln wollten, weil wir an der Grenze noch Geld vorzeigen mussten. Da hielt ein
Auto an, um anscheinend nach dem Weg zu fragen. Als M. ihm sagte, dass wir uns nicht auskennen
würden, drückte er ihr nur einen Geldschein in die Hand und fuhr weiter. M. hatte dem einen
bezeugt, dass Gott sorgen würde und alles wüsste und dann kam dieses Auto. Kurz darauf kam noch
jemand vorbei und gab M. noch ein paar Geldscheine, als sie mit ihm sprechen wollte, war
er schon weg! Da dachte sie, das müsse ein Engel gewesen sein.
So konnten wir uns etwas zu essen kaufen und waren der vollen Zuversicht, dass Gott mit uns
ist.
Als wir wieder im Hafengebiet waren, beteten wir für eine Überfahrtgelegenheit und ein
Lastwagenfahrer sagte uns, dass pro Lastwagenfahren einer von uns mitfahren könnte. So kamen wir
gut rüber. Preis sei Gott!
Wir standen an der Straße auf englischem Boden und der ältere Mann
aus Amerika mit seiner Frau , die mit derselben Fähre gerade ankamen, nahmen uns mit nach London.
"
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Auf nach Griechenland
Der Bruder von I. St., der uns das Haus zur Verfügung stellt, hatte
keinen Glauben mehr für uns, dass wir weiterhin in seinem Haus bleiben dürften. Ein Mitgrund war
dieser, dass wir am Samstag den Sabbat feierten. Sicher hatten wir noch weitere Eigenarten, die
ihm, als gutem "Evangelikalem", schwer fielen, einzuordnen. So verließen wir Mitte `76
unser Domizil. Es war gerade mal ein Jahr unser Zuhause. Wir bildeten zwei Teams, M. fuhr nach
Osnabrück und Remscheid. Dort besuchte ich ihn mit dem Team, das mit mir war, fuhr aber mit dem
Team danach nach Walldorf bei Heidelberg zu E.s Eltern. Gegen Ende des Sommers trampten wir,
mein Team, nach Griechenland, Kreta. Denn es heißt: "Die Inseln warten auf Dich!"
Die Tramptour war schön, und besonders war es, wie wir uns immer wieder trafen. Treffpunkt
war Athen, Piräus. Wir waren insgesamt sechs Leute. Und wir alle trafen uns zur selben Zeit,
obwohl die Strecke sehr lang war.
Auf Kreta fanden wir einen Strand, wo sich wohl die Touristik bündelte; es waren
in der Regel Individualisten, die hier her kamen. Ein junger Mann aus Deutschland wohnte am
Strand in einer Höhle.
Kaum waren wir angekommen, wurden wir von Beamten des Geheimdienstes angesprochen, die hören
wollten, warum wir hier her kamen. Missionieren war total verboten. Sie betonten es auch, dass
wir Ärger bekämen, wenn wir missionieren würden.
Hier hatte ich auch mein erstes großes Lebensproblem mit Jesus. Mir kamen nämlich darüber
Zweifel auf, ob es wirklich Gottes Wille ist, dass ich so lebe. Dazu muss ich gestehen, dass ich
mich vor der Abfahrt aus Deutschland innerlich sehr stark aufblähte, dass ich ein guter Christ
sei, denn ich habe, um Jesus nachzufolgen, alles "aufgegeben". Und nun bekam ich enorme
Zweifel, ob mein Lebensstil überhaupt Gottes Wille sei und nötig ist. Morgens war ich dann immer
entschlossen, nach Deutschland zurück zu fahren und in einen normalen Beruf einzusteigen. Abends
aber war ich fast überzeugt davon, dass ich weiter so leben solle wie bisher.
Es siegte der Gedanke, dass ich "ganz normal" leben sollte. Ich trug
meine Gedanken den Geschwistern vor, dass ich aus dem Team austreten und nach Deutschland
gehen würde, um einer geregelten Arbeit nach zu gehen. Für die einen war es ein Sieg der Freiheit
in Jesus, für andere ein jämmerliches Versagen. Aber mein Entschluss stand fest. So fuhren wir
wieder nach Deutschland, obwohl wir eigentlich von Griechenland in Richtung Indien weiter
fahren wollten, um das Evangelium dort zu verkündigen, wo Sa. und ich früher mal ohne Gott herum
reisten.
Es war wirklich kein Sieg, sondern ein Abbruch! Ich verkündigte es aber überall und im Team
von M. dennoch als Sieg.
Nachdem ich also aus dem gesamten Team ausgestiegen war, hatten wir noch eine Woche in
Emmendingen Schulunterricht übernommen, in dem wir von Jesus bezeugen wollten. Diese Woche war
zwar anstrengend, aber es war einfach super. Am Ende der Woche sagte ich zu Jesus, dass ich doch
lieber ihm weiter nachfolgen wolle. Ich wusste zwar nicht, wie und was nun werden solle. Denn
dass ich zurück ins Team gehen würde, konnte ich mir nicht vorstellen.
Durch diese Schulwoche kamen wir zu spät nach Walldorf, wo wir uns als ganzes Team
treffen wollten, um meinen Ausstieg offiziell durchzuführen. In Walldorf bei E. wartete schon J. E.
mit dem Rest des Teams auf mich. Als wir dann in Walldorf ankam, da wurde ich fast in die Knie
gezwungen: "typisch Tobias! Kommt zu spät, aber hat immer Recht!" Ich wurde sehr
attackiert. Natürlich hätte ich mich entschuldigen sollen; das war damals mir nicht so einfach
und schnell möglich, solange ich nicht absolut sicher war, wo nun meine Schuld lag. Ich war noch
nicht "bußfertig" genug. Dazu muss ich aber auch sagen, dass mir die Verspätung gar
nicht als solch großes Vergehen vorkam, da ich doch in Emmendingen das Evangelium verkündigte!
Die Übermacht war so stark, dass ich immer kleiner wurde. J. war auf Siegeskurs. Denn wie oft
lies ich ihn in meinen guten Tagen abblitzen! Einmal gab er mir ein ernstes Wort der Ermahnung,
worüber ich lachte. Er war darüber so böse, dass er noch eindringlicher mich ermahnte, dass dies
ein Wort des Herrn gewesen sei, worüber ich noch mehr lachen musste. Ich lies in kalt stehen,
indem ich ihm sagte, dass wenn es ein Wort des Herrn wäre, könne es doch wohl auch Felsen
zerschmettern.
Mit ihm hatte ich so manchen Kampf (besser: er mit mir), denn er war ein sehr ernster Mann
und ich war eher oberflächlich und lustig. Nun konnte er mich mit den anderen in Walldorf fast
auszählen. Doch da musste ich dringend, wirklich, auf die Toilette. Als ich so auf der Schüssel
saß, da betete ich, dass ich Jesus entschieden nachfolgen wollte und dankbar bin, dass ich in
Emmendingen noch die Gelegenheit hatte, in der Schule den Kids von Jesus zu erzählen. Mir ging
es wirklich nicht um die "Sünde", dass ich zu spät kam, mir ging es um mein geistliches
Comeback in den Dienst für Jesus!
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Ende '76
Als ich aus dem Team ausstieg, wurde M. "Gesamtleiter". Er
mündete in die 'Apostolische Kirche, urchristliche Mission' ein, was mir ein Dorn im Auge war.
Denn ich meinte, er sei stark genug, selbst eine Arbeit zu tun und er bräuchte nicht in ein
gemachtes Nest zu sitzen.
Bei S. J. und ihrem damaligen Mann P. konnten Sa. und ich den Winter über wohnen. Ich
gebrauchte diese Zeit mit intensivem Bibelstudium. Denn mir wurde mehr und mehr klar, dass es
kein Sieg war, aus dem Team auszutreten, sondern eine Niederlage. Was nicht heißt, dass Gott
nicht aus Mist Dünger machen kann. Ich nahm mir deshalb ganz bewusst den Brief des Paulus an die
Römer vor. Jeden Tag wollte ich mir einen Vers vornehmen und darüber eine DIN A 4 Seite mit den
Gedanken, die ich zu dem jeweiligen Vers bekam, schreiben. Denn ich wollte irgendwie wegkommen
von den "Lieblingsversen", wodurch man schnell glaubt, man hätte den Sinn des Textes
verstanden, wenn man in dem Kapitel einen oder mehrere Verse rot unterstrichen sah.
S. war so lieb und tippte mir all das, was ich mit Sauklaue zu Papier brachte mit meiner
extra dafür gekauften Reiseschreibmaschine, sodass man es besser lesen konnte.
Bei und mit J.s wollten wir einen neuen Anfang finden. Ich hatte so die Idee, dass
jedes Mitglied einen Kleintransporter haben sollte, in dem er übernachten konnte, also wie eine
Schnecke sollte jeder sein kleines Haus dabei haben; dann könnte man überall missionieren. Und
jedes Schneckenhaus sollte bei einem Ehepaar, das in der "Welt" lebt, wohnen, und mit
diesen Geschwister eine Wohneinheit bilden. Aber, wie es nun mal mit Ideen ist: sie sind einfach
so schwer zu materialisieren.
In diesem Winter kam A. zu uns, deren Bruder, I., schon früher mit uns lebte. Ihren Bruder
und sie lernten wir im Schwarzwald kennen, als wir bei Horst S. waren. Und nun wollte A., die
den Namen N. von Gott nahm, zu uns, obwohl ihr Bruder vom Teamleben - oder nur von mir? -
enttäuscht weg gegangen ist. Sie war für mich ein großer Trost, da ich es eigentlich kaum für
möglich hielt, dass wir bis zum Sommer ein Team werden könnten, um zu missionieren. Aber im
Frühjahr ´77 ging alles dann sehr schnell: bei J.s konnten wir nicht länger wohnen, E. und T.
(sie ist die Schwester von S. J.) kamen zu uns, weil sie mit M. nicht mehr länger aushalten
wollten, und Th. aus dem Stuttgarter Raum kam, um mit uns einen Sommer lang zu reisen und zu
missionieren. Mit ihm fuhr ich auch zuvor nach Rumänien, um Hilfsgüter zu Christen zu bringen.
In der Zeit bei J.s kam auch A. zum Glauben. Er war der Freund von P.'s Schwester und
übernachtete mit mir in der Küche auf dem Fußboden, wo er sich auch für Jesus bekehrte.
Als wir von unserem Missionssommer zurückkehrten, kam er und sein Freund M. zu uns ins Team.
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Neuer Anfang
Nun waren wir also doch wieder ein stattliches Team für den Sommer.
Mit E., T., N. und Th. fuhren Sa. und ich nach Korsika. Wir trampten in 2-er Teams nach
Nizza, um mit der Fähre nach Korsika überzusetzen. Wieder leitete uns der Gedanke, dass die
Inseln auf Gott warteten. In Nizza trafen wir R. aus Kaarst. Er kam in seiner etwas hippieartigen
Kleidung auf uns zu und wollte sich uns anschließen, da er Angst hatte, man könne ihn ausrauben,
wenn er auf der Überfahrt einschlafen würde. Mit ihm sprach ich dann die ganze Nacht, obwohl ich
lieber hätte schlafen wollen. In Calvi (Korsika) trennten sich unsere Wege - wir gingen zu
Anton Schulte's Ferienpark und er trampte zu einem wilden Campingplatz. Als wir uns in Calvi von
der Reise etwas erholt hatten, trampten wir in südliche Richtung, da wir diesen wilden
Campingplatz finden wollten. Hier trafen wir R. wieder; er saß auf einem Felsen und war
hellbegeistert, als er mich am Strand auf sich zukommen sah. Hier saß er auf dem Felsen und lass
im Johannesevangelium, das ich ihm bei unserm Abschied mit gab. Nun kam er öfters, eigentlich
jeden morgen, zu unserm Zelt. Und nach einigen Tagen übergab er in seinem Zelt nachts sein Leben
Jesus. Er wollte nun unbedingt, wenn er nach Hause käme, alle seine Freunde zu Jesus bringen.
Wir beteten noch für eine gute Heimfahrt und dass in Nizza sein VW noch stände, den er am Hafen
abstellte. Und wirklich, zu Hause brachte er etliche seiner Freunde zu Jesus! Es bildete sich um
ihn ein kleines Team, das wir die "Willicher" nannten, da sie in Willich mit B. und Br.
W. eine Wohngemeinschaft bildeten.
Wir aber fuhren noch weiter, nach Sizilien, denn wir wollten nach Malta, zur
nächsten Insel; leider kamen wir nicht auf die Insel, da man uns auf dem Schiff wieder zurück
schickte, da wir zu wenig Geld dabei hatten.
Als Sa. und ich in Messina an der Autobahnauffahrt standen, machte ich ein einschneidendes
Erlebnis: es war bullenheiß! Sa. und ich wechselten uns mit dem Trampen ab. Einmal stand sie im
Schatten und ich unterm Regenschirm und dann ich im Schatten und sie unterm Regenschirm, um zu
trampen. Als ich dann mal wieder nach etlicher Zeit dran kam, da hatte ich urplötzlich einen
Geschmack in meinem Mund nach süßem Apfelmuss, ja, im Geschmack identisch mit dem, den man im
Aldi kaufen kann. Frisch, kühl und süß. Mein erster Gedanke war: "ich will in ein Kaufhaus
und kaufen!". Dabei war mir das Kaufhaus, in das ich gehen wollte, als sehr frisch und kühl
im Gefühl. Denn in meiner Vorstellung hatte es eine Klimaanlage. Da zog ein andere Gedanke in
meinen Kopf ein: "der Körper will hier nicht mehr stehen; was kann er denn tun, damit er
weg kommt, da es ihm zu heiß ist? Er muss in mir eine Motivation bewirken. Das tat er durch den
Geschmack in meinem Mund!"
Als ich das registrierte, da entschied ich mich gegen meinen Körper, da ich ja in Messina
nicht sterben, sondern schnellstens mit einem Auto weg wollte.
Als mir so diese Gedanken durch den Kopf gingen, da öffnete ein Mann ein Fenster und rief
uns zu sich. Vielleicht waren es 20 bis 30 Meter. Sa. ging hin, da ich unterm Regenschirm stand,
und erhielt eine große Schale mit frischem Obst darin! Ich war platt! Hatte mir Gott eine
Lektion gegeben? Nun verstand ich Römer 6, wo Paulus schreibt, dass die Sünde nicht durch die
Begierden des Leibes mich unter ihre Herrschaft bringen darf. Die Begierden meines Leibes sind
nicht unbedingt schlecht - aber können ein Köder der Sünde werden!
Später als ich in Deutschland beim Zahnarzt war, wollte ich diese Lektion, die ich lernte,
anwenden. Ich sagte dem Zahnarzt, dass ich keine Spritze wolle, denn - so sagte ich mir -
zwischen mir und meinem Körner ist ein Unterschied! Als er mit dem Bohrer anfing meinen
Backenzahn aufzubohren, da "beobachtete" ich meinen Körperteil im Mund und lies es
nicht zu, dass der Schmerz, den mein Zahn hatte, mich ergriff. Denn nicht mir sollte es weh tun,
sondern meinem Zahn, meinem Körper. Es wurde sehr heiß, immer heißer - aber tat nicht weh!!!
Ich verstand: ich bin die Seele und habe einen Körper, in und durch den ich lebe - aber
bin nicht der Körper!
Der Sommer verging recht schnell und gegen Ende des Sommers wollten wir einige der
Geschwister besuchen, die entweder durch uns zu Jesus fanden oder durch uns wieder neu zu Jesus
zurückfanden. Dazu gehörte R., der später den Namen J. annahm, und aus Belgien die Familie V.
aus Hasselt und ein junger Mann Namens Albert, der bei Brüssel wohnte.
Als wir von Italien zurück fuhren (von Syrakus fuhren Sa. und ich mit einem Handelsschiff
nach Ravenna; es war eine super Zeit! Wir konnten den Matrosen predigen. Der Kapitän hatte uns
wohl lieb gewonnen. Er kam extra in Ravenna zu uns an Land, um sich selbst zu verabschieden und
zu bedanken), blieben wir in Bern an der Autobahn stecken. Wir standen den ganzen Tag an der
selben Stelle! Gegen Nachmittag hielt ein Auto an. Leider fuhr es nicht auf der Autobahn in
Richtung Basel, sondern ins Landesinnere. Enttäuscht lies ich den Wagen fahren. Kurz darauf
hielt wieder ein Auto an. Ja, er würde in Richtung Basel fahren. Wir stiegen ein. Doch kaum
saßen wir im Auto, erklärte uns der Fahrer, dass er nicht auf der Autobahn bliebe, sondern ins
Landesinnere führe. Wie das Auto, das ich weiterfahren lies! Ich war sauer. Sauer auf Gott, der
uns nicht bewahrte. Der Fahrer fuhr etwa 60 KM bis Basel heran. Aber wenn man Landstrassen zu
trampen hatte, waren 60 KM sehr viel!! Während der Fahrt fing der Fahrer an, mir von den schönen
Bergen der Schweiz zu erzählen. Ich wurde noch unwilliger, da er mich nun bepredigte. So
predigte ich ihm, obwohl ich es eigentlich nicht wollte. Doch lieber ich predige ihm von Jesus
anstatt er mir von den Bergen. Wir kamen dann auf seinen Beruf zu sprechen. Er sei Arzt. In dem
Moment schnellte Sa. aus dem Hintersitz nach vorn und fragte, ob er wirklich Arzt sei. Denn sie
habe gestern Abend gebetet, Gott solle ihr doch einen Arzt geben, da sie eine Krankheit habe. So
war das also! Meine Frau betete und deshalb mussten wir in Bern solange warten, und dann auch
ins Landesinnere fahren zur Arztpraxis dieses Arztes! Ich war noch stinkiger. Der Arzt gab
kostenlose Beratung und Medikamente. Ich war auf dieses Wunder so sauer, dass ich mich mit Sa.
nicht freuen konnte. Auf der Straße begegnete uns eine Frau, die uns aus heiterem Himmel Obst
schenkte. Ich merkte, dass ich mich nun beeilen musste von meinem Zorn los zu lassen.
Bei V. wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Er war Kunstlehrer in Hasselt und war in etwa
mit uns eine Wellenlänge, da wir auch noch sehr Hippies waren. Wir hatten eine sehr intensive
Gemeinschaft mit ihnen und waren in Zukunft oft mit ihnen zusammen. Sie besuchten uns auch gerne
in Deutschland. J. mit seinem Team hatte auch schnell durch uns Kontakt zu V.; sie fuhren sogar
im darauf folgenden Sommer gemeinsam nach Korsika. Sie wollten einen Missionssommer machen.
Bei Albert versorgte mich Gott mit einer super Winterhose. Ich hatte dafür gebetet; ich
sagte Gott, ich würde gerne eine schöne Cordhose haben. Als wir nun bei Albert waren, fragte er
mich, ob er unsere dreckige Kleider waschen dürfe. Ich sagte ihm, dass ich leider nur eine Hose
hätte, die, welche ich an hatte. Nun lieh er mir eine Hose aus seinem Besitz. Das war eine
Cordhose! Als er sah, wie gut sie mir passte, da sagte er, dass seine Mutter sie schon seit
einem Jahr verändern wollte und nun lag sie also schon ein Jahr auf dem Kleiderschrank. Er
schenkte sie mir; preis sei Gott, der Winter kann kommen! Ich lud ihn ein, er möge uns doch in
Deutschland besuchen. Aber wo? Wir hatten noch keine Adresse. Ich sagte ihm, dass wir am 1.
November ein Winterquartier hätten. Und so war es auch: Gott öffnete eine Tür, und wir zogen am
1. November ein!!! Preis sei Gott!
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Fränking: 1. Nov. '77
Über Umwegen hörte ein christl. Landwirt aus Fr., W. Schm., von uns,
der dann einen Bruder, C. S., zu uns sandte. Er fand uns dann auch in Pforzheim. Wir sollten mit
ihm nach Fr. fahren, damit W., der Landwirt, uns kennen lernen könne. W. ist sehr für Mission.
Nachdem er uns durchgecheckt hatte, sagte er, wir könnten in seinem Freizeitheim wohnen; keine
Miete, kein Geld für Wasser und Strom und Öl. Einfach kostenlos!
Am 1. November zogen wir mit dem Wenigen, was wir in unseren Rucksäcken hatten,
nach Fr.. Mit uns zog A., den wir vor unserer Korsikatour kennen lernten, und M., ein Freund von
A., nach Fr.. Es war eine schöne Zeit.
In diesem Winter heiratete auch M., die früher mit uns lebte. Sie und Je., ihr zukünftiger
Mann, waren mit M. in Flensburg. So fuhren wir von München nach Flensburg in einer Nacht mit
unserem kleinen Mercedes-Bus. Es sollte auch so etwas wie eine Versöhnung zwischen M. und mir
werden; ich war doch gegen ihn, als er in die Gemeinde eintrat. Aber noch bevor die Hochzeit
stattfinden konnte, fuhren wir wieder weg, da M. "erkannte", dass ich vom Teufel sei
und man mit mir keinen Kontakt haben sollte.
Einige Monate später, im Frühjahr ´78, kamen dann M. und Je. nach Fr., um mit uns zu leben.
Im selben Winter wohnte J. mit seinen "Neuen" zusammen in B.s Wohnung in Willich.
Er war eine starke Führerperson und so mussten wir ihn mal für eine Zeit zu uns nach Fr. holen.
Er litt darunter, dass er zwar das verwirklichen wollte, was er bei uns sah, aber es nicht
erreichen konnte, weil ich, der 'größere Baum' - wie er sich mal ausdrückte -, ihm das
Sonnenlicht wegnähme. Er stand in seiner "Führerrolle" immer in meinem Schatten. In
seiner Gruppe galt doch etwas mehr, was ich lehrte und an Wertmaßstäben weitergab.
Während sie, die 'Willicher', nun mit V. nach Korsika fuhren, fuhren wir, die 'Fr.er', kaum
war die Sonne wärmer, nach Südspanien, Torremolino; ein Ort, in dem viel Hippiegeschichte
geschrieben wurde.
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Torremolinos , (bekannt geworden durch das Buch:
"die Kinder von Torremolinos")
E. und T. hatten in Fr. ihr erstes Kind bekommen, Schl.. Da wir nicht Krankenversichert waren,
suchten wir eine Hebamme, die eine Hausentbindung durchführt. In einem Krankenhaus, wo wir
nachfragten, meinte der Arzt, als er mit bekam, dass T. nicht die 'notwendigen' Voruntersuchungen
hatte, von welchem Stern sie denn käme. Als wir uns darauf hin entrüstet über diesen Arzt von
ihm abwandten, folgte uns eine Krankenschwester, die T. eine Adresse zusteckte. Diese Hebamme
bestand aber darauf, dass die Entbindung im Krankenhaus durchzuführen sei; sie könne ja danach
sofort, wenn es keine Komplikationen gäbe, nach Hause. So brachte T. ihren Erstgeborenen in
einer Babytasche mit nach Hause und stellte ihn auf den großen Esstisch. Nun hatten wir ein Kind!
Mit ihm fuhren wir dann im Sommeranfang nach Torremolinos. A. hatte den kleinen Mercedesbus mit
Betten zugeschweißt und auch für Schl. ein Bett an die Decke geschweisst. Der Bus war
hoffnungslos überladen. Aber wir kamen nach Torremolinos. Ich weiß noch, wie Je. und ich Schl.
im Angesicht aller Hotels in Torremolinos auf einer Wiese wickelten. Das war ein echtes
Kunststück (was jeder nachvollziehen kann, der sich an sein erstes Mal erinnert, wo er ein Baby
zu wickeln hatte).
Es war eine schöne Zeit in Torremolinos, da wir in den Swimmingpools der
verschiedenen Hotels uns erfrischten. Einmal kam uns der Hotelwächter hinterher. Leider konnte
er die Geschwister aufhalten. Ich hatte einen schnelleren Gang eingelegt und sprang elegant in
die Erfrischung.
In Torremolinos gab es eine christliche Gruppe aus Amerika, die missionierte. Als wir uns
bei ihnen vorstellten, um mit ihnen zu missionieren, erklärten sie uns, dass dies ihr Gebiet
sei! Wir dürften nicht hier missionieren. Oder wer sei unser Apostel?
Wir wollten uns nicht mit ihnen anlegen und so machten wir einen schönen Urlaub.
Auf dem Rückweg ging uns aber leider der Motor des Busses kaputt. Die Ölkontrolleuchte
funktionierte nicht und so kam es, dass der Motor, nachdem wir die ganze Nacht durch gefahren
waren, Geräusche wie ein Traktor machte und dann mit einem Schlag stehen blieb. Mir kam das
recht, weil ich damit endlich schlafen konnte; denn von der Nachtfahrt war ich doch recht müde.
Die Brüder A. und M. versuchten ihr Bestes, aber es ging nicht mehr zu reparieren.
Sie waren unsere Mechaniker. Einmal, als es wieder um den Motor ging, fiel dem guten M. das
Schwungrad auf die Hand und schnitt ihm fast den Mittelfinger ab. Als wir M. ins Krankenhaus
brachten, wo auch Schl. auf die Welt kam, da mussten wir für die Operation nichts bezahlen!
Wir ließen den Bus in Frankreich stehen und trampten weiter. Wie gut, dass wir in
Toremolinos einen amerikanischen Bruder kennen lernte, der E. und T. mit Sohnemann in seinem
Auto mit nahm.
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Im Rabenweg
Als wir in Deutschland ankamen, war auch schon der Sommer zu Ende. Wo
sollten wir wohnen? Da in Ulm ein Rockfestival stattfand, fuhren wir zuerst mal nach Ulm. Dort
konnte E. mit Familie bei einer älteren Frau unterkommen, wo wir dann nach dem Festival alle
einziehen konnten. Sie wohnte im Rabenweg; dies erinnerte uns an den Propheten Elia, der
von Raben ernährt wurde.
Wir hatten große Pläne: Druckerei, Missionsautos, Teams gründen, die in
Deutschlands Städten missionieren. Aber es kam alles anders, als gedacht.
Wir konnten uns einen KleinLKW kaufen (Hanomag) und einen Koffer, den wir auf einem
Schrottplatz in Düsseldorf kauften, drauf setzen.
Aber angemeldet hatten wir ihn noch nicht.
Die ältere Schwester, bei der wir wohnten, war etwas nicht einfach. Der erste
große Knall kam, als J., die Schwester von M., die alten Zeitungen und Zeitschriften aus dem
Keller als Sperrmüll an die Straße stellte. Unsere Gastgeberin wollte diese uralten Zeitschriften
aufheben. Wer aber konnte das wissen. Wir wollten im Keller nur Platz schaffen und aufräumen.
Als dann noch J. mit seinem Team, das gerade aus Korsika zurückkam und ebenfalls kein
Winterquartier hatte, zu uns zog, da war es aus! Wir mussten alle ausziehen!
Jo. und R. mit ihrer Tochter N. konnten bei einer Krankenschwester schnell
unterkommen. Und als H., ebenfalls eine Krankenschwester davon hörte, wollte sie in ihrem sehr
kleinen Schwesternzimmer ebenfalls Platz für E. und T. und Schl. machen. Der Rest musste sich
irgendwie durchschlagen. Einige kamen beim CVJM unter, und der Rest schlief mit mir auf der
Pritsche eines LKW's, der irgendwo in Ulm auf einem Parkplatz stand; es war Wochenende und so
würde wohl niemand mit dem LKW am nächsten Tag wegfahren.
Wir entschlossen uns, nach Ostfriesland zu fahren. Was wir nicht wussten, war dies, dass der
schlimmste Winter bevor stand: Minus 20°!
Irgendwann in diesen Tagen fuhren etliche nach Ostfriesland; dazu muss man wissen,
dass der Hanomag noch nicht angemeldet war! Hinten im Kasten saßen die Geschwister und vorne
saßen zwei. Ohne Polizeikontrollen kamen sie in Ostfriesland an. Nach längerer Suche nach einem
Haus, denn die Geschwister wohnten im Hanomag auf einem Parkplatz, trampte Jo. und J., und sie
wurden von einem Landwirt mitgenommen, der auf Gottes Reden hin sich ins Auto setzte und einfach
so losfuhr. Gott sagte ihm, er würde Leute treffen, die er treffen soll. Als die zwei Brüder ihm
erzählten, dass sie an Jesus glaubten und ein Haus suchten, da wusste der Landwirt, warum ihn
Gott in die Nacht hinaus schickte: er hatte zwei Häuser. In dem einen lebte er und in dem anderen
wohnte niemand. Es war ein altes Haus mit verschiedenen urtümlichen Einrichtungen; so gab es
unter dem Wohnzimmer ein großes Wasserauffangbecken, von dem aus die Dusche gespeist wurde. Auch
der Ofen war ein riesen Ungetüm. Einmal, als es so die -20° erreichte, da heizten wir, was
hineinging. Aber das war natürlich zu viel. Das Feuer schlug oben aus dem Dach und der
Wasserkreislauf stieß Wasser über den Schornstein ins Freie.
Weil das Haus keine eigene Trinkwasserversorgung hatte, mussten wir bei dem Landwirt, Jo. K.,
der mit seiner Schwester lebte, unser Trinkwasser jeden Morgen in Kanistern holen. Das war
Männerjob. Das Brauchwasser kam, wie schon gesagt, aus dem Esszimmer. Unter dem Teppich konnte
man die Holzbretter wegräumen, um zu dem Wasserreservoir zu kommen, was wir auch einmal taten.
Denn eines Tages lief kein Wasser mehr. Doch Wasser gab es noch eine Menge unterm Boden. Wir
zogen den Schlauch heraus und siehe da, hier hing das Problem: eine fette Kröte hing, vom
Schlauch angesaugt, fest.
Da dieser Bauernhof in der Nähe der Stadt Norden lag, fragten wir auf dem dortigen
Schrottplatz, ob wir bei ihnen unseren Hanomag ausbauen dürften. So waren wir jeden Tag auf dem
Schrottplatz, bauten aus und bauten ein. Als mit dem Hanomag der Ausbau seinem Ende zu ging,
kauften wir noch einen alten Holzwohnwagen, damit Jo. mit Familie und E. mit Familie darin
wohnen könnten. Wir mussten ihn komplett neu streichen und innen restaurieren. Wir bauten im
Hanomag und im Holzwohnwagen einen normalen Holzofen ein.
Als dann der Winter zu Ende ging, machten wir uns auf den Weg, dem großen Treck.
Zuerst ging es nach Süddeutschland. Aber es war fast unmöglich mit dem Hanomag und dem
Holzwohnwagen irgendwo auf einem normalen Parkplatz zu stehen! Dazu hatten wir noch einen alten
(wirklich uralten) Mercedes Kleinbus, den ich unter einer Brücke etwas niedriger drückte. Als
die Polizei uns auf einem Parkplatz wegschickte, durften wir auf dem Parkplatz der kath. Kirche
eine Nacht stehen. Über einen Bruder aus Herbolzheim konnten wir bei einem Landwirt vor seinem
Bauernhof stehen. H. H., der uns diesen Kontak vermittelte, hatte einige Hauskreise, die er
betreute und zu denen er uns einlud.
Lange konnten wir nicht in Herbolzheim stehen. Was tun? Wir entschlossen uns, nach Portugal
zu fahren. Es schien uns der ideale Platz zu sein!
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'79 Portugal
Einige von uns fuhren mit dem Holzwohnwagen und dem Hanomagwohnmobil.
Wieder andere trampten nach Portugal. B., Br., Sa. und ich fuhren aber mit unseren Fahrrädern.
Wir wollten nicht einfach einen "Rekord" aufstellen oder ein Abenteuer erleben,
sondern mit B. und Br. eine Zeit zusammen sein, da B. kurz vorm Ausstieg aus dem Glaubensleben
war. Wir rüsteten die Fahrräder auf, besorgten uns Gebrauchte und hatten nach einiger
Vorbereitungszeit gute Drahtesel, mit denen wir die etwa 3.000 KM bewältigen wollten. Der erste
Tag zu F. V. in Belgien war so etwas wie eine Einlaufphase. Sa.s Allerwertester tat enorm weh.
Es waren aber nur 50 KM, die wir an diesem Tag zurücklegen mussten. Schwerer wurde es, als wir
in die Berge von Belgien in Richtung Frankreich kamen. Manchesmal nahm ich Sa. ins Schlepptau.
Dabei hatte ich so meine Gedanken, dass im Leben es wohl keine Rolle spielt, was wir erreichen,
sondern ob wir dabei geliebt haben. Und es war mit Sicherheit Liebe, dass ich Sa. die belgischen
Berge hoch schleppte.
Auf manchen Strecken trennten wir uns von B. und Br., da wir auch per Anhalter fuhren und
die Räder dabei auf die LKW-Pritsche warfen oder in den Laderaum eines Kleinbusses, der uns
mitnahm. Jeden Abend hatten wir eine gute Unterkunft. Einmal traf ich in Frankreich den
Bürgermeister eines Dorfes, der gerade dabei war die Fensterläden des Rathauses zu schließen.
Ich fragte ihn in meinem schlechten Französisch, wo hier der Pastor wohne, da wir nach einer
Unterkunft fragen wollten. Der Bürgermeister überlies uns sofort sein Wochenendhaus und versorgte
uns noch mit frischen Eiern etc. Am offenen Kamin konnten wir uns super erholen.
Als wir kurz vor Portugal waren, äußerte B., dass wir ja sehr viel Glück gehabt hätten. Wir
erklärten ihm, dass es kein Glück war, sondern Gott, der uns versorgte. Und eben in dieser Nacht
mussten wir draußen schlafen, da wir leider niemanden fanden, der uns aufnehmen wollte.
Mit B. und Br. war es eine sehr angenehme Zeit. Neben all den geistlichen Gründen, warum es
angenehm war, gab es noch diesen: Sa. und ich aßen recht wenig und hatten von unserer Tagesration
lange. Aber unsere beiden Mitradler aßen doch gerne und etwas mehr als wir. So kam es, dass wir
noch keinen Hunger hatten, aber B. sich dann für Essenholen investierte.
Als wir dann nach etwa 3 Wochen in Faro/Quarteira ankamen, hatte die Fahrt auch für meine
Kondition natürlich positive Auswirkungen: mit A. fuhr ich eines Tages in die etwa 15 KM
entfernte Stadt Faro. Man muss wissen, dass A. sehr stark war. Doch schon auf der Fahrt nach
Faro hatte A. seine Probleme mir zu folgen. Als er dann im CowboyStil in die Bank ging, musste
ich lachen. Doch die Rückfahrt war dann doch für A. zu einem Gebetsanliegen eskaliert: er betete,
dass Gott mich doch irgendwie bremsen solle. Und das tat Gott auch genau in dem Moment, als A.
verzweifelt betete: vom Gebäckträger fiel meine Jacke runter und ich musste anhalten. Wie
glücklich war A. über diese Gebetserhörung. Und wie stolz war ich, als ich nun hörte, wie
verzweifelt A. zum Beter wurde, weil ICH so stark war.
Ganz in der Nähe unseres Camps war eine Quelle, in der die Dorfbewohner ihre Wäsche wuschen
und wo man auch baden konnte. Für uns war dies natürlich immer eine Gaudi, wenn wir, auf dem
Dach unseres Hannomag sitzend, hinfuhren, um Wasser zu schöpfen, Wäsche zu waschen und uns
selbst zu baden. Lieder von Barry McGuire und SecondChapterOfActs dröhnten dann aus den
Lautsprechern des Hanomags.
Wir machten einige missionarische Einsätze in die umliegenden Touristenorte.
Als sich ein ehemaliger Polizist für Jesus entschied (oder eine neue Entscheidung
traf), da wollte er nach Deutschland, um alles in Ordnung zu bringen. Ich entschloss mich, ihn
zu begleiten.
Wir trampten, aber wir kamen nur bis Malaga. Dort standen wir vom Abend 5.00 Uhr bis zum
nächsten Morgen. So etwa gegen 10.00 Uhr war in mir jeder Entschluss wie Schnee in der Sonne
geschmolzen, ihn zu begleiten. Hatte ich mich einfach nur so dazu entschlossen oder bin ich
untreu? Nachdem ich in Hebräer, Kapitel 11 über die Glaubenshelden las, wurde mir klar, dass
diese Entscheidung nicht aus Glauben, sondern eher aus Langeweile getroffen wurde. Ich wollte
mit ihm trampen, damit ich etwas unternehme.
Der Entschluß, alleine von Malaga nach Quarteira (Portugal) zu trampen kostete vielleicht
für mich auch sehr viel Glauben! Ich ging zu Fuß durch Malaga um an das andere Ende der Stadt zu
kommen, wo es nach Sevilla/Granada ging. Endlich stand ich an der Ausfallstraße. Alle paar
Minuten rollte eine Welle von Autos heran in 3 Reihen. Aber nach Stunden wurde mir klar, dass
dies nicht der leichtere Weg gewesen ist, für den ich mich entschlossen hatte. Ich stand bis zum
Nachmittag an der selben Stelle. Alle Gebetsformen, die ich durchging, halfen mir nichts!
So gegen 4.00 Uhr nachmittags entschloss ich mich, mit meinen letzten 10 DM (5 Euro) mit dem
Zug aus Malaga zu fahren, soweit es eben reicht. Nur weg!
Ich ging über die Straße, um zum Bahnhof zu gehen. Auf dem Weg stöhnte ich so ein kleines
Gebet zu Gott, eher nebenbei: “Ich habe Durst!”. Ich traute meinen Augen kaum: vor mir am
Straßenrand stand in dem Augenblick eine Flasche mit Milch. Sie war kühl, frisch und voll!
Ich trank die Milch leer und dachte so bei mir, warum Gott die Menge der Gebete nicht
erhörte, die ich zu ihm sandte als ich an der Straße stand und trampte. Da schoß mir ein
Gedanken durch den Kopf: Widersteht dem Teufel und er flieht von euch, nahet euch zu Gott
und er wird sich zu euch nahen!
Ach so, dachte ich mir. Gott und ich sind nicht alleine auf dem Planeten. Es gibt natürlich
auch den Teufel.
Ich ging zurück zu meiner Trampstelle und sagte Gott, dass ich nichts zwischen ihm und mir
kommen lassen wolle. Egal, wielange ich noch warten müsse, ich bleibe an Gott hängen, ja, ich
nahe mich ihm.
Nun das erstaunliche: kaum stand ich an der Stelle, hielt meine Hand raus, als die Wagenwelle
wieder so angerollt kam, hielt das erste Auto an. Ich wurde mit genommen bis zur Abzweigung
Granada/Sevilla. Ich ging einpaar Meter zu Fuß und als ich hinter mir ein Auto hörte, hielt ich
wieder meine Hand raus und das Auto hielt an, nahm mich mit. Wieder bei einer Gabelung lies er
mich aussteigen, da er nicht nach Sevilla fuhr. Ich war überrascht. Ich dachte, ob ich mich nun
schlafen legen solle oder weitertrampen. Ich entschloß mich weiterzutrampen. Und wirklich, ein
Autofahrer nahm mich mit bis Sevilla. Leider kam ich erst so gegen 1.00 Uhr nachts an, weil der
Fahrer alle seine Verwandtschaft aufsuchte; er stellte mich allen vor. Und Sevilla ist ein
gefährliches Pflaster, gerade um diese Uhrzeit!
Schnell ging ich zu Fuß in Richtung Huelva. Am Ausgang der Stadt gab es eine Autobahnauffahrt.
Die Autobahn ging bis Huelva.
Ich rollte meinen Schlafsack aus, und legte mich hinein. Im Scheinwerferlicht eines Autos
sah ich die Menge der Moskitos! Nein, lieber die Nacht trampen, als so zerstochen werden!
Ich stand wieder auf und trampte. Da kam ein Auto. Es hielt an und nahm mich mit!
In Huelva war es nun so etwa 4.00 Uhr morgen. Ich entschloss mich die letzten 10 KM zu Fuß
zu gehen. Ich sagte aber Gott, dass ich in Portugal nicht trampen wolle.
Als ich dann an der Grenze am frühen Morgen ankam, es war eine schöne Nachtwanderung, da
fragte ich einen Deutschen, ob er mich mit rüber nehmen würde. Die Grenze wurde durch einen Fluß
gebildet, den man auf der Fähre überqueren musste. Er nahm mich mit und fuhr mich bis zu der
Stelle, wo ich dann runter zum Meer mußte, da wir das Camp in Quarteira hatten. Ich stieg aus
und ging gerade über die Straße, da hielt ein Auto an, rief mich, ob ich mit zum Meer wolle.
Ich stieg ein und wurde direkt am Camp rausgelassen!
Das war die beste Tramptour, die ich je hatte: fast immer das erste Auto hielt an! Und ich
musste in Portugal, wie ich es Gott sagte, nicht trampen.
Ja, wenn wir uns Gott nahen, dann naht er sich uns, aber wir müssen auch den Teufel als
Durcheinanderbringer einrechnen! Und nichts zwischen Gott und uns kommen lassen!
Gegen Ende des Sommers fuhren wir nach Lissabon, um dort zu überwintern. Wir
konnten auf dem Universitätsgelände unseren Fuhrpark aufstellen und auch noch ein kleines
Hauszelt, das wir als Essenszelt benützten. In den Räumen der Uni konnten wir uns in die leeren
Vorlesungsräume setzen, um jeden Abend Bibelstunde zu haben. Vormittags versuchte B. einigen
Griechisch beizubringen und ich anderen Hebräisch. Natürlich war das nicht Hochschulreife.
Aber es machte sehr viel Spaß.
Jeden Samstag und Sonntag fuhren wir zum Rossio, dem Zentrum von Lissabon, und predigten auf
der Straße.
Ein Missionsehepaar, das in Angola für Gott lebte, wohnte in Lissabon, mit denen
wir sehr innigen Kontakt hatten. Hier lernte ich wohl meine erste Lektion, dass "Deutschsein
" nicht identisch ist mit "Christsein"! Denn in der Wohnung dieser lieben
Geschwister, die renoviert war, gab es sehr viel Dreck. So konnte man die Dusche nicht benutzen,
da sie als Mülldepot diente; an der frisch gestrichenen Wand im Wohnzimmer zog sich ein 40 cm
langer, dicker Schimmelstreifen quer hin und die Bananen hätte man viel früher essen sollen. So
aber lagen sie in der Obstschale und waren wie kleine Tierchen mit dickem Fell bekleidet. Ich
wollte mich sogar ungern auf einen Polsterstuhl setzen, da ich irgendwie die vielen kleinen
Tierchen ahnen konnte, die mir dann am Po rumliefen (was natürlich nur Einbildung war!). Ich war
so schockiert von den lieben Geschwistern, da ich in Deutschland lernte, dass wenn ich mich
bekehrte, wird es auch nach außen sichtbar werden. Und waren diese Menschen nun Christen? Sie
zeigten uns Bilder aus Angola, wo sie große Taufen hatten, Chöre gründeten und so weiter. Auch
war ihre Art so vertrauensvoll, dass ich fest glauben musste, dass sie bessere Christen waren
als ich. Ich musste vor Gott Buße tun, dass ich weniger Christ, aber mehr Deutsch war. Das
Vertrauen dieser lieben Menschen durfte Sa. und ich kennen lernen, als wir das erste Mal nach
Lissabon kamen: Sa. und ich trampten von Deutschland nach Lissabon, kamen endlich an die
Spanisch/Portugisische Grenze an und fuhren mit dem normalen Bus nach Lissabon. In Lissabon
wußten wir aber nicht, wo die Geschwister mit ihrem Fuhrpark standen. Sie gaben uns die Adresse
dieser portugiesischen Christen, die in Angola Missionare waren. Wir fragten den jungen
Busfahrer, wo die Adresse in Lissabon wäre. Er ging mit uns, das Haus zu suchen. Als wir es
fanden, war niemand da. Der Busfahrer rief die Telefonnummer an, die wir hatten und erhielt die
Antwort, er möge doch über den Balkon durch das Fenster steigen und die Türe öffnen, sie kämen
heute nicht nach Hause. So kam es, dass wir mit dem Busfahrer zusammen in dieser Wohnung
übernachteten. Welch ein Vertrauen unserer portugiesischen Geschwister! Am nächsten Morgen kam
der Bruder, dem die Wohnung gehörte und führte uns zum Unigelände, zu den Geschwistern.
Der Winter war sehr erholsam. Wir hatten mit einigen Geschwistern in Lissabon Gemeinschaft
und sie halfen uns bei verschiedenen Formalitäten. Und sie unterstützten uns auch mit
Lebensmittel. Ápropo "Lebensmittel": wir wollten nicht die ganze Zeit für Essen
investieren und wollten, dass das Küchenteam auch Zeit zum Bibellesen etc. habe. Also hielt ich
ein Plädoyer für Müsli, was auch von allen angenommen wurde. Wie froh waren wir dann, als J.,
unser Küchenchef, Feigen auftreiben konnte. Sie hatten zwar Würmer, aber das war uns nicht so
wichtig. Schließlich hatten wir schon Haferflocken mit kleinen Käfern oder Larven in Quarteira
gegessen! Als ich mal in Deutschland beim Zahnarzt war, las ich die Broschüren über gesunde
Zähne und las, dass Zucker sehr ungesund sei. Ich dachte, da ich ja gerade auf dem Weg zum
Zahnarztstuhl war, wo ich sicher eine Plombe bekommen werde, wie gut es doch ist, dass man
heute, wenn der Zahn Karies bekäme, die Löcher füllen kann! In dem Moment schoss mir der Gedanke
durch den Kopf, was wohl Gott sich denkt, wenn ich das Wunder meiner Zähne so gering rechnete.
Gott gab mir Zähne, die nicht aus Amalgam bestehen, sondern aus Material, das lebt! Mir taten
meine "post-modernen" Gedanken leid, und ich sagte zu Gott, dass ich keinen Zucker
mehr essen will. Das war für uns als Gruppe sehr hilfreich, denn wir verschlangen in einer Woche
sicher einen Zentner Zucker! Zucker versüßte etwas unser Leben. Doch das war nun vorbei! Denn ab
jetzt war es Sünde, wenn man so gegen den SchöpferGott lebte und Zucker aß! Lange hielt diese
heilige Würde nicht an, denn ich las wiederum in der Bibel: "iss Honig mein Sohn!"
Was tun? So fing ich an, das Thema Zucker ausbalancierter anzugehen. Und heute? Heute esse ich
auch wieder Schokolade und andere Süßigkeiten - natürlich mit einem Auge auf Gott! Übrigens, man
sollte wirklich bei allem zwei Augen haben. Moshe Dajan, der Verteidigungsminister in Israel zur
Zeit des "6-Tage-Krieges" (1967) hatte nur ein Auge. Als der große Sieg gegen die
arabische Übermacht errungen wurde, lies er sich feiern - ohne ein Auge auf Gott zu werfen und
Gott die Ehre zu geben. Der nächste Krieg, der YomKippurKrieg, war dementsprechend ein voller
Reinfall. Wegen dieses Krieges musste Moshe Dajan seinen Stuhl räumen. Also: immer mit zwei
Augen leben.
Als das Frühjahr kam (1980), bildeten wir Teams, wobei ein Team nach Spanien ging, eines in
Portugal blieb und zwei nach Deutschland fuhren. In diesem Sommer war ich mit meinem Team in
Norddeutschland.
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Ende '80: Treffen in Villa Real
(Portugal).
In Villa Real, wo das Portugalteam über den Sommer blieb - denn da kamen viele
Touristen über Spanien an, die man auf Jesus ansprechen konnte - trafen wir uns alle wieder, um
von da nach Lissabon zum Überwintern zu fahren. Unsere erste gemeinsame Aktion war diese: wir prüften, welche
Gegenstände uns Gott gab und welche wir uns selbst kauften, weil wir "weltlich"
wurden. Denn manche hatten das Geld, das man ihnen während der Einsätze im Sommer gab, für dies
und jenes ausgegeben, zB. sehr gute und teure Schlafsäcke, super Daunenjacken, Parfums etc.
Wieder andere aber sparten das Geld, damit der Winter bezahlt werden konnte. Zu diesen gehörte
Sa. und ich und noch andere. Wir empfanden das nicht nur als ungerecht, dass diese sich von dem
Geld solch teuren und guten Sachen kauften, während sie dann von dem leben wollten, was wir
geschenkt bekamen und eben nicht ausgaben für Dinge, die wir natürlich auch gerne gehabt hätten.
Wir aber begnügten uns mit einem gebrauchten US-Schlafsack (ohne Isomatte!), mit einfachen
Militär-Rucksäcken und so weiter. Deshalb kam nun eine "Säuberungsaktion". Je nachdem,
auf welcher Seite man stand, verstand man den Grund für diese Aktion - oder auch nicht.
Die Polizei verjagte uns aus dieser Idylle von Rätselraten, was wohl von Gott genehmigt
gekauft wurde und was nicht, so dass wir innerhalb von einigen Stunden den Platz räumen mussten.
Das nahmen wir dann als Anlass, um nach Lissabon auf zu brechen.
Wir hatten nun schon einen sehr langen Treck, wenn man bedenkt, dass wir den Traktor, den
Holzwohnwagen, den Aluminiumwohnwagen und den Hanomag hatten.
Unterwegs brach uns die Deichsel am Aluminiumwohnwagen. Mitten in der Einsamkeit zwischen
Faro und Lissabon standen wir in der Stille der Natur. Was tun? Ich hatte Glauben, dass wir die
Deichsel einfach mit Schnüren und Hölzern schienen sollten. Als wir dann in Lissabon einfuhren,
da brach dieses kleine technische Wunderwerk wieder. Als wir dann nochmals schienten, hielt es,
bis wir auf dem Unigelände standen.
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Remazeit
Ich fuhr mit meinem Team nach Heidelberg, R. etc. Kanada.
Wir wurden von C. S., der bei der 'Mennonitischen Heimatmission' angestellt war, nach
Heidelberg eingeladen. Hier gründeten wir mit ihm und M. W. eine Gemeinde. Jeden Tag predigten
wir auf der Straße. Die Zeit in Heidelberg war natürlich von der Örtlichkeit (Fußgängerzone) her
sehr schön, aber die Situation auf der Straße war sehr gespannt. So kam es oft vor, dass wir von
Punkern angespuckt wurden und ein stadtbekannter Schläger uns Prügel androhte.
C. und M. hatten Räume angemietet und sie zu einer Teestube umgestaltet. Einmal kam der
Schläger in diese Räume, schlenderte an denen vorüber, die auf Matratzen auf dem Boden saßen und
trat plötzlich gegen einen, der auf dem Boden saß.
C. aber hatte die Nerven für diesen Menschen. Preis sei Gott. Einmal predigte gerade C. auf
einem Stuhl stehend und diese Chaoten kamen, nahmen ihn auf dem Stuhl stehend mitsamt dem Stuhl
und hievten ihn in die Höhe. C. predigte einfach weiter. Ein andermal, als C. wieder mal predigte,
kam gerade dieser Schläger und drohte ihm Schläge an, wenn er nicht aufhören würde, zu predigen.
C. erwiderte ihm, dass sein Herr Jeus sei und dieser sandte ihn zu predigen. Der Schläger wurde
wütend und wollte auf C. eindringen. In dem Moment fing es an zu regnen, wie aus Eimern! Danach
hatte C. bei dem Schläger eine gute Position, da er schon verstand, dass dies Gottes Reden war.
Während wir schon im Einsatz in Heidelberg waren, war E. mit seinem Team noch in
Portugal und bereitete sich auf den Sommer mit Gebet vor. Eines Tages, als er in einem Wäldchen
zum Beten war, fing er an in Zungen zu reden, wie es in der Bibel im 1. Korintherbrief, in den
Kapiteln 12 und 14 beschrieben wird. Für ihn war damit klar, dass Pfingstler biblisch seien.
Ach, wie oft habe ich mich gegen diesen Einfluss gewehrt. Ich war gegen Pfingstler, gegen die
gefühlige Musik, die im Lobpreis gesungen wurde. Und nun dies! E. spricht in Zungen! Nebenbei:
ich war eigentlich gegen alles, was nicht Gott mir direkt gab und offenbarte.
E. glaubte, dass wenn er uns darüber schreibt, würde Gott uns dasselbe geben, während wir
seinen Brief lesen würden. Es entstand in Heidelberg im Team eine "RushHour" auf die
Geistesgaben und ein harter Kern, der sich danach ausstreckte: die Schwestern. Sie versammelten
sich und beteten, dass sie auch in Zungen beten wollten; wir Brüder diskutierten, ob das nun noch
biblisch sei oder nicht. Während wir Brüder also uns über die theologisch problematische Seite
dieses Themas unterhielten, erlebten fast alle Schwestern, außer Sa., die Gabe des Zungenredens.
Bei einer Schwester war es sogar so, dass sie, während sie in Zungen sprach, ein Schriftband vor
ihren Augen sah, auf dem deutscher Text ablief, der wohl die Übersetzung der Zunge war. Nun war
etwas aufgebrochen! A., der mit seinem Team, das nach Kanada fuhr, mit uns in Heidelberg war,
erlebte diese Gabe so, dass er gar nicht anders konnte, er musste reden, was er nicht verstand.
Wir trafen uns nun fast den ganzen Tag am Neckarufer und sangen und beteten zu Gott. Auf der
einen Seite war es anstrengend, da fast jede Gelegenheit zum Gebet, und wenn es noch so eine
kleine Gelegenheit war, sich zu einer echten MammutGebetszeit entwickelte. Zu guter letzt waren
nur noch Sa. und ich übrig, die noch nicht in Zungen sprachen. Als ich eines Nachts im Bett lag,
gingen mir diese Dinge alle noch einmal durch den Kopf. Ich empfand mich wie Petrus, der auf dem
Wasser gehen sollte. Schaffe ich das? Oder bin ich schon zu alt? Fange ich an, Gott ungehorsam
zu werden? Ich verstand mich selbst nicht mehr. Ich entschloss mich, am nächsten Morgen,
dass wenn Gott will, dass auch ich in Zungen beten solle, dass ich nicht mehr dagegen sein würde,
sondern 'loslegen' würde. Als wir wieder unser morgendliches Meeting am Neckarufer hatten, da
sprach jemand ein Wort aus: "Dawar!" Ich verstand dieses Wort als ein hebräisches Wort,
was soviel wie: "rede!" bedeutet. Die Person, die es aussprach, konnte kein Wörtchen
Hebräisch. Was nun? Während ich noch in meinen Gedanken vertieft war, ob Gott mich angesprochen
habe, hatte jemand ein Bild in seinem Inneren gesehen: ein kleiner Vogel, der aus dem Nest
gestoßen werden sollte, damit er fliegen lerne. Ich fühlte mich angesprochen und nahm alle meine
Gedanken "unter den Gehorsam" und fing an, egal, was es sein mochte, irgendetwas zu
zulassen, was in meinem Mund formbar werden würde. Ich hatte den Eindruck, dass die Silben, die
ich bis jetzt aus mir herauspresste, schon etliche Sätze ergeben müssten. Es war schwerfällig.
Wie wenn man eine schwere Zunge habe. Doch dann, plötzlich, ging es wie von selbst. Ich, der
kleiner Vogel, hatte die ersten Meter im Sturzflug heil überstanden, meine Flügelchen haben sich
ausgebreitet und nun schwebte ich. Es war ein Genuss zu reden. Ich wollte gar nicht mehr aufhören.
Da die Nächte immer kürzer wurden, hätte ich eigentlich sehr starkes Kopfweh haben müssen.
Denn zuvor fragte ich Gott im Gebet, ob ich meine Brille wegwerfen dürfe. Denn wie ich schon
berichtete, war Heidelberg eine schwere Stadt: der Schläger, der ohne Vorwarnung zuschlagen
konnte. Was, wenn er mir ins Gesicht schlägt und die Brille zersplittert und mir das Auge
zerstört? Als ich die Frage in den Raum stellte kam auch prompt die Antwort per Prophetie:
"tue sie weg." Da ich die Brille beim Gebet nicht aufgesetzt hatte, brauchte ich sie
nur nicht mehr aufzusetzen. Normalerweise hätte ich nun Kopfweh bekommen müssen. Ich hatte eine
Hornhautverkrümmung. Aber die Nächte wurden kürzer und ich hatte keine Probleme.
Nach einigen Tagen kam die Weissagung, ich solle die Brille jetzt meinem Glauben gemäß in den
Neckar werfen. Aber wenn ich dann doch eine Brille benötigen würde? Das war ja nicht nur eine
Brille, sondern auch Geld! Gehorsam ging ich mit dem Team an den Neckar und warf sie weit in den
Strom. Das war am Vormittag. Am Nachmittag kamen Kopfschmerzen auf!! Oh nein! Ich nahm meine
Hände, legte sie auf meinen Kopf und sagte: "Jesus, du hast diesen Kopf geheilt! Schmerz,
du musst gehen!!" Die Schmerzen verließen mich. Diese Art von Kampf hatte ich noch eine
gewisse Zeit lang, aber dann war alles gut. Als ich dann Jahre später mal zu einem Augenarzt ging,
fragte ich ihn, wie meine Augen wären. "Gut", sagte er. "Und die Hornhautverkrümmung?
" fragte ich ihn. Seine Antwort: "Da ist keine Verkrümmung!" Preis sei Gott!
Die neue Zeit, in der wir viel, sehr viel in Zungen sprachen, sangen, ja, schrieen,
nannten wir die "Rhemazeit". Diese Zeit hielt an bis Ende des Sommers. Sie nahm dann
nämlich eine etwas skurrile Form an. Es kamen immer außergewöhnlichere Weissagungen. Wir lebten
von diesen Eingebungen.
So waren wir in Freiburg auf dem Parkplatz des Messegeländes. Da aber in nächster Zeit eine
Ausstellung geplant war, sollten wir weg. Der Oberste des Messegeländes holte die Verantwortlichen
zu sich. Das waren E. und ich. Wir kamen uns vor wie Mose und Aaron beim Pharao. Er stand, als er
wusste, dass angeblich uns Gott gesagt habe, wir sollten hier stehen bleiben, was er natürlich
nicht glauben konnte, oft in der Tür und beobachtete uns. Als die Polizei kam und uns wegschicken
wollte, da fragten wir wieder unser "Orakel" und hörten, dass Gott uns genau diesen
Parkplatz gab. Die Parkplätze waren nummeriert - und wir standen laut Prophetie, genau auf dem
richtigen Parkplatz! Wir waren festgebunden. Die Polizei drohte uns an, dass wenn wir nicht
innerhalb von einer bestimmten Zeit weg wären, würden wir abgeschleppt werden. Auch vom Gesundheitsamt
waren welche dabei. Weil aber unser "Gott" sagte, wir ständen genau auf dem Parkplatz,
den er uns zuordnete, blieben wir stehen. Wir wurden nie weggeschickt!
Wir fuhren, als wir von "Gott" hörten, dass wir fahren sollten. Das war natürlich
etwas kindliches Sandkastenspielen. Als aber die "göttliche Eingebung" mehr von uns
forderte, wie auf dem Wasser gehen - was natürlich nicht funktionierte - war ich sehr froh, dass
Ch. S. mit uns war. Er war es, der sagte: "Lasst uns hier mal einen Stopp setzen und prüfen,
was von Gott und was nicht von Gott ist". Eigentlich warteten wir auf diesen erlösenden
Stopp. Nun durfte keiner mehr weissagen oder in Zungen reden.
Was war mit uns geschehen? Paulus schrieb an die Korinther, dass sie gerne einen
Geist nehmen, den sie bei der Bekehrung nicht empfingen. War es dies? Haben wir Geister
angenommen?
Wir brauchten eine "Rhema-freie-Zeit", wo wir nicht mit diesem "heißen Eisen"
weiter zu leben brauchten.
Wir hatten sogar das Portugalteam mit Jo. K. nach Deutschland geholt (der sehr froh war, da
sie sehr wenig gegessen hatten), damit Gott uns alle gemeinsam gebrauchen könne. Oft kamen
Weissagungen, dass wir nach Israel sollten.
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